3 Dinge die mich als Aufräumcoach nerven

3 Dinge die mich als Aufräumcoach nerven

Es gibt 3 Dinge die mich als Aufräumcoach nerven. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich liebe meine Arbeit als Entrümpelungsexpertin, und ich liebe es, dabei zu sein, wenn die Wohnungen spürbar leerer werden, aber die folgenden Punkte bringen mich regelmäßig auf die Palme. 

1. Wegwerfen = Umweltsünde

It's a sin - schwarzer Text auf weißem Hintergrund

Viele Menschen tun sich sehr schwer ungeliebte, unbenutzte und unnötige Dinge zu entsorgen. Neben „das-könnte-ich- noch-irgendwann-einmal-brauchen“ ist einer der Hauptgründe die Entsorgung selbst und die Angst, man könnte zur großen Umweltsünderin mutieren, wenn etwas im Müll oder im Wertstoff Sammelzentrum landet.

Manchmal bemerke ich sogar Empörung: „Ich möchte doch nicht Teil der Wegwerfgesellschaft sein.“ Also belässt man die Dinge lieber in der vollgestopften Wohnung. Verschenken, Verkaufen oder Upcyceln sind natürlich Alternativen – aber dazu braucht es Zeit und es können hartnäckige Zwischenlager entstehen. Das wiederum verzögert den Prozess des Entrümpelns.

Die Devise „das-könnte-ich-irgendwann-noch-einmal-brauchen“ wird umgewandelt in „das-müsste-ich-irgendwann-einmal-verkaufen-oder-verschenken“.

Fakt ist, die Umweltsünde wird nicht begangen, wenn etwas sachgerecht entsorgt wird, sondern VIEL früher, nämlich wenn ein (unnötiges) Ding

  • produziert wird
  • mehrfach um die Welt reist
  • um in einem Einkaufszentrum zu landen
  • wo Menschen mit ihren Autos hinfahren
  • wo wertvolle Grünflächen versiegelt und in Parkplätze umgewandelt werden
  • besagtes Ding gedankenlos mitgenommen wird ohne dass es wirklich gebraucht wird
  • weil die Werbung so geile Versprechungen abgibt
  • und weil es angeblich so günstig ist

Ich bin beileibe kein Fan vom Wegwerfen – und meine erste Wahl ist auch immer das Verschenken. Dazu verwende ich die zeitschonende „zu-verschenken-Box“ Methode.

ABER:

  • manche Dinge will einfach niemand mehr
  • sind nicht mehr gut genug (auch wenn man selbst das vielleicht glaubt)
  • die eigenen zeitlichen Ressourcen sind begrenzt – und Verkaufen, sogar Verschenken, kann sehr zeitaufwändig sein
  • auch Sozialkaufhäuser und Flohmärkte entsorgen Dinge, die sie nicht verkaufen können
  • das Ende aller physischen Dinge ist IMMER der Müll

DAHER:

Anstelle sich ganz viele Sorgen am Ende des Lebenszyklus eines Produkts zu machen, ist es viel besser, sich die Gedanken betreffend „Umweltsünde“ dann zu machen, wenn wir als Konsumentinnen die Kaufentscheidung treffen. Denn nur dann besteht die Möglichkeit, zu beeinflussen, welche Dinge nicht oder nicht mehr produziert werden.

2. Sortieren statt Entsorgen

Storage Box

Dinge endgültig loszulassen, ist für viele Menschen alles andere als einfach, besonders wenn in jedem – noch so profanem – Gegenstand ein sentimentaler Wert und eine Erinnerung gesehen wird.

Anstelle Dinge zu entsorgen, wird versucht, sie besser zu verstauen. Es wird neben-, hinter- und übereinander gestapelt, nach Kategorien und Farben sortiert, in Ordnungsboxen investiert – aber an der Situation ändert sich dadurch nur wenig. Je enger die Dinge aneinander kleben, je weniger Freiraum sie haben, desto schneller wird die ursprüngliche Unordnung wieder Einzug halten. Spätestens dann, wenn man „schnell“ etwas sucht und das Gesuchte ganz unten im Stapel liegt.

„Wenn-ich-doch-nur-mehr-Stauraum-hätte“ ist ein Wunsch, den ich oft höre. Aber Tatsache ist, je mehr (Stau)raum, desto mehr Kram.

Manche erfüllen sich den Wunsch nach mehr Stauraum auch und lagern Dinge in ein Self Storage Abteil aus. Möbelhäuser und Geschäfte für Wohnaccessoires bieten zudem von Ordnungsboxen bis hin zu ganzen Ordnungssystemen alles was das Aufräumerinnen-Herz begehrt.

Ordnungsboxen können durchaus hilfreich sein, selbst Self Storage kann sinnvoll sein, wenn man Dinge kurzfristig – z.B. zwischen Umzügen – lagern möchte.

ABER:

Weniger Dinge in der Wohnung erreicht man nur durch Entsorgung der nicht mehr benötigten Dinge und in Folge durch eine „gar-nicht-erst-in-die-Wohnung-lassen“ Strategie.

3. Minimalismus zerstört die Wirtschaft

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„Wenn alle so wären wie du, dann hätte das den Niederbruch der Wirtschaft zur Folge,“ das ist auch ein Satz, mit dem ich manchmal konfrontiert werde. Stimmt, aber wäre das so schlimm, wenn die Wirtschaft, so wie wir sie derzeit kennen, niederbrechen würde? Ein System, das auf Ausbeutung von Mensch und Umwelt hinausläuft. Und viele „Bullshit Jobs“ erzeugt, die im Grunde genommen völlig unnötig sind. Dinge produziert, wo durch gigantische Werbemaßnahmen ein künstlicher Bedarf erzeugt wird. Dinge durch geplante Obsoleszenz frühzeitig kaputt gehen und daher wieder neu angeschafft werden müssen.

„Aber, wir brauchen die Jobs! Sonst gibt es so viele Arbeitslose!“ Heisst im Klartext, wir müssen Industrien auffangen und unterstützen, die als Dank dafür unseren Planeten zerstören. Dabei gibt es viele Bereiche, die mehr Personal ganz dringend brauchen würden. In der Kinderbetreuung oder in der Betreuung von älteren Menschen oder im Gesundheitswesen, zum Beispiel. Dort wird jedoch gespart und noch mehr eingespart.

Für mich gehört eine gute Dosis Minimalismus zum Entrümpeln dazu. Entrümpeln ohne Änderung des Konsumverhaltens ist für mich zu wenig. Das ist nur die eine Seite der Medaille. Dinge loszulassen und ein Stück Vergangenheit hinter sich zu lassen, ist die Einstiegsdroge – das Ziel ist es jedoch, aus dem „immer-mehr“-Hamsterrad auszusteigen.

  • Brauche ich es oder „will“ ich es nur?
  • Welchen Nutzen bringt mir der Kauf und welche Kosten?
  • Wie viel Lebenszeit muss ich aufwenden, wenn ich es kaufe?
  • Wo wird die Neuerwerbung ihr künftiges fixes Zuhause haben?
  • Kann ich es auch gebraucht kaufen?

9 Gedanken zu „3 Dinge die mich als Aufräumcoach nerven

  1. Liebe Uli. Das ist ein mega Artikel! Ich habe während dem Lesen bestimmt 10 x JA gedacht. Du hast diese Bedenken und Glaubenssätze, die es manchmal unmöglich machen, Dinge wegzuwerfen, super veranschaulicht. Ich liebe das Aussortieren und Minimieren. Ich muss jedes mal tief durchatmen, wenn Leute für Eventualitäten, die nie eintreffen, Dinge bergeweise horten. Liebe Grüße Nicole

    1. Hi Nicole, vielen Dank für deinen Kommentar. Die „Das-werde-ich-irgendwann-einmal-brauchen“ Falle ist da ganz heimtückisch. LG – Uli

  2. Ich finde das klar und anschaulich formulated, um nicht zu Sachen: Wir haben 3 Kinder, die alle ihre Schulbücher brauchen. Kinderbücher haben wir. Schulbücher, die bereits überholt sind. Ähnlich ist es mit Kleidung. Es ist von allem zu viel da. Bücher kaufen wir nicht sehr bei, wenn es um Schulbücher geht. Für den vergnüglichen Teilnahme der Bücher erreichen die Bibliotheken aus. Tatsächlich, es gibt einen Weg. Danke für diesen wunderbaren Artikel.

  3. Was für ein toller Artikel! Habe mich tatsächlich auch mal ertappt gefühlt (gottseidank bin ich, was Ausmisten betrifft auf einem guten Weg) und kann sonst alles so was von unterschreiben. Besonders Dein letzter Punkt, was wäre, wenn die Wirtschaft, wie wir sie kennen, untergehen würde, hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Wir sollten viel mehr die scheinbar unumstößlichen äußeren Gegebenheiten und deren „Nutzen“ hinterfragen!

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