Wir kennen es alle, dieses Mussmussmuss, schreibt Silke Geissen in der Einleitung für ihre Blogparade. Im folgenden Artikel kommt die Wiener Anwältin Dr. Tirza Zelofehad, Expertin für biblische Kollateralschäden, zu Wort. Sie war als kleines Mädchen dabei, als die Israeliten gemeinsam mit Moses Ägypten verlassen haben. Sie, ihre vier Schwestern und ihr Vater. Sie war es, die von Moses gefordert hat:
Gib uns den Erbbesitz unseres verstorbenen Vaters!
Numeri 27,4
Unerhört für eine Frau – bis sie gewann, mit der Allmächtigen an ihrer Seite.
Aktuell lebt und arbeitet Tirza in Wien, ihrem persönlichen gelobten Land – denn seien wir uns mal ehrlich: Was hat Jericho schon zu bieten?
Zwölf Regeln. Zwölf Antworten. So tickt Tirza:
Du musst dich sittsam anziehen. Und altersgemäß. Ich kaufe Designerkleidung, die tief blicken lässt.
Du musst koscher essen. Ich bestelle am Freitagabend Sushi mit Garnelen vom besten Japaner der Stadt.
Du musst am Freitagabend als Frau des Hauses die Schabbatkerzen anzünden. In meiner Wohnung gibt es nur Taschenlampen von Maglite – und einen Taser.
Du musst am Schabbat ruhen. Ich arbeite am Wochenende Akten durch, die liegengeblieben sind.
Du musst zu Schabbat Challa backen. Was Germ ist, weiß ich erst, seit ich die KI gefragt habe. Ich bin mit ungesäuerten Broten und Manna aufgewachsen.
Du musst eine Familie gründen. Ich bin single und meine Männerbekanntschaften dauern normalerweise nicht länger als ein paar Stunden.
Du musst eine demütige Ehefrau werden. Ich bin die Chefin meiner eigenen Kanzlei. Die einzige Person, der ich Rechenschaft schulde, bin ich selbst.
Du musst den Fortbestand des jüdischen Volkes sichern. Ich sorge dafür, dass mein Erbe weiterlebt – in meiner Kanzlei. Kinder sind mir zu anstrengend.
Du musst die Feiertage im Kreis der Familie verbringen. Ich verbringe sie am liebsten allein. Eine WhatsApp Nachricht an meine Schwestern reicht auch.
Du musst nach den Regeln der Halacha leben. Ich beschäftige mich lieber mit der Auslegung des Strafgesetzbuchs.
Du musst an Jom Kippur fasten, um deine Sünden zu bereuen. Ich liebe jede einzelne meiner Sünden und bereue (fast) nichts.
Du musst eine Jahreskarte der Wiener Linien haben oder zu Fuß gehen. Ich fahre lieber mit meinem Alfa oder dem BMW – auch in der City. Seit der Wüste sind mir Fußmärsche verhasst.
Kleines Glossar
Koscher – Speisevorschriften des Judentums; erlaubte bzw. verbotene Lebensmittel (z. B. keine Garnelen, kein Schweinefleisch).
Schabbatkerzen – Kerzen, die freitagabends zu Beginn des Schabbats angezündet werden, traditionell von der Frau des Hauses.
Schabbat – der jüdische Ruhetag von Freitagabend bis Samstagabend; Arbeit ist untersagt.
Challa – geflochtenes Hefebrot, das traditionell für den Schabbat gebacken wird.
Germ – österreichisches Wort für Hefe (wird für Germteig/Hefeteig gebraucht, z. B. bei Challa).
Ungesäuerte Brote / Manna – ungesäuertes Brot (Mazza) erinnert an den Auszug aus Ägypten, als keine Zeit zum Säuern des Teigs blieb; Manna war die wundersame Nahrung, die die Israeliten laut Bibel in der Wüste erhielten.
Halacha – die Gesamtheit der jüdischen religiösen Gesetze und Vorschriften, die den Alltag regeln.
Jom Kippur – der jüdische Versöhnungstag, der höchste Feiertag; ein Fastentag zur Reue und Umkehr.
Mehr über Tirza und ihr Team gibt es hier nachzulesen:
Anmerkung der Autorin: Die literarische Figur Tirza nimmt gerade enorm Fahrt auf. Das Leben von Tirza kann sich von jetzt auf gleich komplett ändern. Nichts ist in Stein gemeißelt. Was heute noch felsenfest klingt, kann morgen schon überholt sein. Aus „du musst“ kann jederzeit ein „ich will“ werden. Eine demütige Ehefrau und sittsame Kleidung ausgenommen. 🙂
Eines bleibt aber immer gleich – auch wenn sie sich über alle Muss-Bestimmungen hinwegsetzt und keine regulären G-ttesdienste aufsucht: Sie ist aus vollem Herzen und aus voller Seele tief mit dem jüdischen Volk, aus dem sie stammt, verbunden. Sie kennt die Gesetze, Gebete und Riten – legt sie nur oft eigenwillig aus.
Willst du mehr von Tirza? Dann melde dich – oder hinterlasse einen Kommentar. Ich freue mich über jede Reaktion, jede Frage und jede Vermutung, wohin es sie als Nächstes verschlägt.
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du eine tüchtige Frau bist. Dass du – obwohl du einen Namen hast – in der anonymen Masse der tüchtigen Frauen untergehst, ohne die die Welt nicht einen Tag existieren könnte.
Frau der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.
frei nach Georg Hewegh
#01: Steyen ale reder shtil, ven dayn shtarke hant nor vil!
Un du akerst, un du zeyst, Un du fiterst, un du neyst, Un du hamerst, un du shpinst, Zog, mayn froy, vos du fardinst?
frei nach Chaim Zhitlowsky
Lob der tüchtigen Frau
Den vollständigen Text aus Sprüche 31,10-31 kannst duhier als PDF lesen.
Wem eine tüchtige Frau beschert ist, die ist viel edler als die köstlichsten Perlen.
Sprüche 31, 10
Als Tamar zu mir kam, sah ich eine schöne, erfolgreiche und starke Frau – aber auch eine Frau, die müde war. Die es satt hatte, immer zu geben und so wenig zurückzubekommen. Die nicht länger mit ein wenig Lob abgespeist werden wollte.
Ich stehe vor Tagesanbruch auf und versorge meine Kinder und meinen Mann mit Essen
Ich koche und backe
Ich kümmere mich um warme Kleidung für die ganze Familie
Ich nähe Decken und Kleider
Ich fertige Röcke und Gürtel
Ich kaufe und verkaufe Textilien und Lebensmittel
Ich erwerbe Äcker und lege Weinberge an
#01: Tamars Wiesen und Äcker
#02: Tamars Weinberg
#03: Tamar bäckt Challah
#04: Tamar kocht Suppe mit Gemüse aus ihrem Garten
#05: Tamar erntet Äpfel aus ihrem Obstgarten
Ich kümmere mich um die Finanzen und arbeite auch nachts, wenn alle anderen schon schlafen
Ich unterstütze Arme und Bedürftige
Ich führe den Haushalt und leite das Unternehmen
Ich strahle Würde und Zuversicht aus, auch wenn ich mich erschöpft und leer fühle
Mein Mann sitzt in den Torhallen und diskutiert im Rat mit anderen Männern. Sie treffen wichtige Entscheidungen, während ich arbeite, ihn ernähre und finanziere. Seine Freunde schlagen ihm lachend auf die Schulter und gratulieren ihm – zu mir. Zu Hause, nachdem ich alleine den Abwasch gemacht und die Küche geputzt hatte, sagte er zu mir:
„Viele Frauen erwiesen sich als tüchtig, doch du, liebste Tamar übertriffst sie alle. Du sollst vom Ertrag deiner Hände etwas bekommen, denn sogar im Stadttor rühmen sie deine Werke!“
In der Kanzlei von Dr. Tirza
Nachdem ich Tamar zugehört hatte, war ich sprachlos. Meine vier Schwestern und ich hatten seinerzeit von Mose unseren Erbteil gefordert – und nach göttlicher Intervention auch bekommen. Aber im Grunde genommen hatte sich seit über 3000 Jahren nicht wirklich etwas geändert.
„Ich will die Scheidung, sagte Tamar. Er hat seine Versprechen nie eingehalten. Alles, was er jemals gesagt hat, waren nur leere Worte. Und genauso leer fühle ich mich heute.“
Sie reichte mir ihre Ketubbah:
#06: Sein Eheversprechen: Sei mir durch diesen Ring angetraut nach dem Gesetz Moses und Israels. Ich will dir dienen, dich in Ehren halten und versorgen nach der Weise jüdischer Männer, die in Redlichkeit ihren Frauen dienen.
Tamar zitterte – ob vor Wut oder vor Trauer konnte ich nicht mit Bestimmtheit erkennen. Sie fuhr fort: „Er meint, ich sollte „etwas“ vom Ertrag meiner Hände bekommen, wie eine Sozialhilfeempfängerin, die um eine Beihilfe ansucht. Ich bin ja „nur“ Hausfrau und Mutter und habe nebenbei ein wenig im Geschäft ausgeholfen, im Grunde genommen „nichts“ gearbeitet. Ich soll „einen kleinen Anteil“ bekommen, während er den Löwenanteil für sich behalten will, damit er in den Torbögen gefeiert wird.“
Die Klage
„Paragraph 49 Ehegesetz“, sagte ich, „lupenreine Eheverfehlung und daher Scheidung wegen Verschuldens.“
„Eine schwere Eheverfehlung liegt insbesondere dann vor, wenn ein Ehegatte schweres seelisches Leid zugefügt hat“, ergänzte Baruch beflissen und tippte auf die Stelle im Gesetzbuch, das er wie ein Magier aus dem Nichts unseres papierlosen Büros herbeiprojiziert hatte.
Manchmal geht er mir furchtbar auf die Nerven und ich muss mir immer vor Augen halten, dass sein ehemaliger Chef der mürrische Jeremias war, der unermüdlich die Katastrophe ankündigte, die dann noch dazu eintrat.
„Er wird der Scheidung nicht zustimmen“, klagte Tamar. „Ganz bestimmt wird er das“, sagte ich. „Du bist hier in guten Händen.“
Baruch wollte etwas einwenden – aber ich signalisierte ihm, zu schweigen. Er musste lernen, die Verwünschungen und Unheilsdrohungen, die ihm Jeremias Tag für Tag und Jahr für Jahr diktiert hatte, ad acta zu legen und eine etwas positivere Einstellung einzunehmen. Schließlich waren wir hier in Wien. Und Schriftrollen verwendeten wir auch schon seit längerer Zeit nicht mehr.
Baruch begann zu schreiben:
Klageschrift
Der Beklagte hat sich anlässlich der Eheschließung urkundlich verpflichtet, der Klägerin zu „dienen, sie in Ehren zu halten und zu versorgen“.
Tatsächlich hat die Klägerin über Jahrzehnte allein den Haushalt geführt, die Kinder sowie den Beklagten versorgt, ein Handelsunternehmen aufgebaut und sämtliche relevanten Vermögenswerte (Acker, Weinberg, Textilhandel) allein erwirtschaftet.
Der Beklagte hingegen ging im selben Zeitraum einer Tätigkeit nach, die sich am ehesten als „Sitzen im Stadttor und Diskutieren mit anderen Männern“ umschreiben lässt – eine Beschäftigung, die zwar gesellschaftliches Ansehen, jedoch keinen messbaren Beitrag zum Familienvermögen erbracht hat.
Anträge
1. Scheidung der Ehe gemäß § 49 EheG aus dem alleinigen Verschulden des Beklagten, insbesondere wegen Verletzung der ehelichen Beistandspflicht durch anhaltende, wirtschaftlich folgenlose Anwesenheit in den Torbögen der Stadt;
2. Billige Aufteilung des ehelichen Vermögens gemäß §§ 81 ff. EheG, unter Berücksichtigung, dass dieses zur Gänze auf den Beitrag der Klägerin zurückgeht;
3. Kostenersatz durch den Beklagten.
Samson – Head of Security
Immer, wenn es um heikle Scheidungs- oder Unterhaltsklagen geht, lasse ich Samson das Erstgespräch mit dem gegnerischen Mandanten führen. In aller gebotenen Höflichkeit, versteht sich.
Offiziell steht „Head of Security“ auf Samsons Visitenkarte. Übersetzt heißt das: der Mann, der hingeht, wenn jemand ein Problem mit Zuhören hat oder partout unsere Sichtweise nicht akzeptieren möchte. Wenn wir jemandem klarmachen müssen, dass er sich von unserer Mandantin in Zukunft besser fernhalten sollte. Samson ist der Mann fürs Grobe, den jede Kanzlei braucht, die etwas auf sich hält.
Die meisten kennen seine Geschichte – Philister, Eselskinnbacken, die Stadttore von Gaza, die er einmal eigenhändig aus den Angeln gehoben und ein paar Kilometer weiter wieder hingestellt hat (manche fanden das übertrieben). Und die Sache mit den Haaren und seiner toxischen on-off-Beziehung mit Delilah.
Apropos Haare: Er trägt sie heute wieder lang. Seine Freundin ist Friseurin. Wie diese Beziehung funktioniert, ist mir ein absolutes Rätsel – aber sie schneidet ihm offenbar nie etwas ab, und er kommt jeden Montag bestens gelaunt ins Büro.
Was ich an Samson schätze: Er ist – im Gegensatz zu Baruch – kein Mann der vielen Worte. Er muss auch selten viel sagen oder tun. Meistens reicht es, wenn er sich neben jemanden setzt.
#07: Samson – Head of Security, Kanzlei Dr. Tirza, Esq, Vienna.
Am Stadttor
Ich schickte Samson ans Stadttor, um ein ernstes Wort mit Tamars künftigem Ex-Mann zu reden. Zeit für Tachles.
#08: Bei den Stadttoren (Eingang zum ehemaligen jüdischen Viertel in Eisenstadt)
Bei der nachmittäglichen Dienstbesprechung erzählte er uns, dass alles gut verlaufen war und er keinerlei Zweifel daran hegte, dass Tamars Mann die Scheidungspapiere unterschreiben würde.
Samson fand ihn an seinem Stammplatz – wie er nicht anders erwartet hatte.
„Für dich“, sagte er und stellte einen kleinen Handkoffer ab. „Tamar hat das Nötigste eingepackt. Zahnbürste, Kleidung, du weißt schon.“
Der Mann starrte auf den Koffer, dann auf Samson, dann wieder auf den Koffer. „Was soll das heißen? Wer bist du überhaupt und was willst du von mir?“
„Das soll heißen: du wohnst ab heute woanders.“ Samson legte einen Zettel obenauf. „Airbnb. Schön ruhig, hat Tamar gesagt. Schon gebucht, schon bezahlt. Drei Nächte – danach bist du auf dich gestellt.“
„Du musst dich irren. Meine liebste Tamar. Sie würde doch nicht einfach …“
„Doch, würde sie.“ Samson setzte sich neben ihn. Die Bank ächzte. „Der Rest deiner Sachen wird geliefert. Die Scheidungspapiere auch. Du solltest das Haus besser nicht mehr betreten. Hätte auch keinen Sinn; die Schlösser wurden schon ausgetauscht.“
#09: Warten auf den Lieferdienst
„Wie weiß ich überhaupt, dass du nicht lügst“, jammerte Tamars Mann. „Meine Tamarle würde mich doch nicht rauswerfen …“
Wenn ich dir einen persönlichen Rat geben darf, sagte Samson. „Wenn eine Frau sagt, es ist aus – dann glaubst du das besser und hältst dich in aller Zukunft von ihr fern und behelligst sie nicht mehr. Wenn du etwas wissen willst, dann ruf Dr. Tirza an, sie vertritt ab sofort Tamar in allen Angelegenheiten. Sollte ich dich in der Nähe von Tamar sehen, dann …“
„… dann was?“
Samson ignorierte ihn, stand auf und klopfte ihm auf die Schulter – ein wenig fester als nötig. „Tamar lässt dich grüßen und wünscht dir Gesundheit und ein langes Leben. Diese guten Wünsche solltest du besser nicht in den Wind schlagen.“
Samson ließ den Koffer stehen und machte sich auf, zu gehen. „Ach, bevor ich es vergesse. Das hast du damals Tamar versprochen“:
#10: Das gebrochene Eheversprechen
Die Männer am Tor, die mit offenem Mund und wie gebannt auf die Szene gestarrt hatten – Samson ist unzweifelhaft eine imposante Erscheinung – klappten ihre Kinnladen wieder zu. Die Unterhaltung wollte nicht mehr so recht in die Gänge kommen.
Ich gratulierte Samson zum erfolgreichen Gespräch und insgeheim freute ich mich, dass er begann, nicht mehr ganz so wortkarg zu sein.
Ein paar Monate später
Ich saß mit meinem Morgenkaffee da und las die Wirtschaftsseiten, als mir ein Name ins Auge sprang: Tamar. Sie war zur Unternehmerin des Jahres gekürt worden und stellte stolz ihren Handelsbetrieb mit über 200 Mitarbeitenden vor. Sie sah glücklich aus. Das müde Lächeln von damals war einem strahlenden Lächeln gewichen.
Tamars Mann hatte in die Scheidung eingewilligt und war – wie ich fand – großzügig abgefunden worden. Samson hatte Recht behalten. Er hatte sich nie wieder bei Tamar blicken lassen.
Kaleb erzählte mir, dass er kurz nach der Trennung von Tamar sofort angefangen hatte, eine andere „tüchtige“ Frau zu suchen und offenbar damit auch erfolgreich gewesen war. Ich seufzte. Die Fälle würden uns nicht ausgehen. Vielleicht hatte sich die Prophezeiung an unseren Vorvater Abraham gar nicht auf die Nachkommen bezogen, sondern auf die vielen tüchtigen Frauen …
… und ich werde die tüchtigen Frauen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand …
frei nach Genesis 22,17
Ich stand auf und fühlte mich plötzlich melancholisch. Es war wieder Zeit, einen kleinen Abstecher nach Meran zu machen und Paolo zu treffen. Für Samson und Baruch waren es ein paar Tage Urlaub für die Chefin, über die sie nicht weiter nachdachten. Nur Kaleb, dem nie etwas entging, schaute mich jedes Mal skeptisch an, wenn ich die Reise nach Südtirol antrat.
#11: Die Passstraße Timmelsjoch
Kaleb ist von der alten Garde, konservativ bis in die Knochen und das Konzept „ein Mann für gewisse Bedürfnisse“ entspricht so gar nicht seiner Vorstellung. Er sagt nie etwas, aber ich weiß, dass er mich nur zu gerne unter der Chuppa sehen würde. Verheiratet mit einem verwitweten Kinderarzt oder distinguierten Psychiater. Ginge es nach Kaleb, hätte ich einen verlässlichen und bodenständigen Mann an meiner Seite, ein rechtschaffenes Mitglied der Gemeinde – und nicht einen 15 Jahre jüngeren Liebhaber, der es gerade noch geschafft hat, einer Sekte zu entkommen.
Ich sehe das anders. Ich habe schon genug in der Wüste gelitten. Bin durchs Meer und durch endlose Einöden gewandert. Mein vulkanroter Alfa Romeo wartet nur darauf, endlich über das Timmelsjoch hinunter nach Meran zu jagen.
Begriffs- und Personenerklärung
Dr. Tirza – Wiener Rechtsanwältin, die biblische Randfiguren vertritt und ihre Fälle aus heutiger österreichischer Rechtssicht aufarbeitet.
Baruch – Tirzas „Head of Office“, ehemals Schreiber des Propheten Jeremias, neigt zu Unheilsahnungen, die er sich erst noch abtrainieren muss.
Samson – Tirzas „Head of Security“, bekannt für Stadttore aus den Angeln heben und eine komplizierte Beziehung zu einer gewissen Delilah.
Kaleb – Tirzas Lead Investigator, ehemals im Einsatz in Jericho, konservativ und Tirza in Sachen Privatleben kritisch zugewandt.
Ketubba – der jüdische Ehevertrag, der dem Mann Pflichten gegenüber seiner Frau auferlegt – unter anderem Versorgung, Schutz und Ehre.
Eschet Chajil – hebräisch für „tüchtige Frau“, Titel des Lobliedes aus Sprüche 31.
Tachles reden – ohne Umschweife direkt zur Sache kommen; Klartext sprechen.
Chuppa – der Baldachin, unter dem ein jüdisches Brautpaar bei der Trauung steht, sinnbildlich auch für die Ehe selbst.
Billige Aufteilung – juristischer Fachbegriff aus dem österreichischen Ehegesetz, der eine gerechte (nicht zwangsläufig gleiche) Verteilung des ehelichen Vermögens meint.
§ 49 EheG – die österreichische Gesetzesbestimmung zur Scheidung wegen Verschuldens eines Ehepartners.
Wenn du einen biblischen Fall für Dr. Tirza hast, für den du schon lange Gerechtigkeit wolltest oder wenn du findest, dass eine Person oder eine Gegend (so wie Nod) nicht ausreichend oder falsch in den biblischen Texten erwähnt wurde – melde dich bei mir – oder hinterlasse hier einen Kommentar.
Werde Patin oder Pate für deinen Lieblingsfall. Kein Mandat ist mir zu klein – und keines zu groß!
Dr. Tirza, Anwältin für biblische Kollateralschäden
Dienstag, der 12. Mai 2026 – das Wetter in Nod ist wechselhaft – Wind, Sonne, Wolken und Regen wechseln einander ab.
Wo liegt Nod
Kain aber sprach zum HERRN: Meine Schuld ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte. Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. […] So ging Kain hinweg von dem Angesicht des HERRN und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gegen Osten.
Genesis 4, 13-16
#00: Nod aka Floridsdorf
Die Klage
Dr. Tirza: Klage der Bürgerinnen und Bürger von Nod (heute: der 21. Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf) betreffend Urheberrecht. Allgemein wird angenommen und in den biblischen Texten festgelegt, dass Eden der Ausgangspunkt der Menschheit war. Wie aus o.a. Schriftstück eindeutig hervorgeht, bestand Nod vor Eden und hatte – im Gegensatz zum Garten Eden – bereits eine gute Infrastruktur.
Eden ist – mit Ausnahme der Bar – nicht mehr betretbar. Die Noder und Noderinnen begehren, dass nicht länger Adam und Eva als die ersten Menschen angesehen werden sollen, sondern die Ureinwohnenden von Nod.
Der Ermittler
Unser Lead-Investigator Kaleb war in Nod unterwegs, hat Beweise gesammelt und Zeugen befragt. Es ist erwiesen: Nod befindet sich im Nordosten Wiens, jenseits der Donau, auch Transdanubien genannt. Unser Bürgermeister Dr. Michael Ludwig wohnt hier – und es ist demzufolge ganz und gar kein metaphysisches „Land der Ruhelosigkeit“ oder „Land der Heimatlosigkeit“.
#01: Kaleb – Lead Investigator, Kanzlei Dr. Tirza, Esq, Vienna
Wer ist Kaleb
Kaleb, Dr. Tirzas Lead-Investigator, ist DER Spezialist für schwieriges Terrain. Vierzig Jahre in der Wüste – ohne GPS, dafür mit Moses und Joshua – sprechen für sich. Während andere bei drohenden Gefahren sofort den Rückzug antreten, liefert er die Fakten für einen erfolgreichen Angriff oder Klageerhebung. Seine Expertise in der Beweissicherung vor Ort ist legendär. Er infiltiert das Zielgebiet und liefert gnadenlos präzise Berichte über die dortigen Verhältnisse.
Gemeinsam mit Baruch, Samson und der Chefin Dr. Tirza kümmert er sich um die Randgruppen. Um die Namenlosen und die, die in der No(r)drandsiedlung wohnen. Diejenigen, die in einem Vers mal kurz erwähnt werden, aber nie ein Folow-Up bekommen, geschweige denn ein Feature in einem Hochglanzmagazin.
Reise nach Nod
#02a: Ankunft in Floridsdorf-Nod – mit der allseits unbeliebten U6 – Ausgang in Richtung Jonas-Reindl
In der Bibel ist Nod ein Ort der Isolation und des Exils. In der U6 erfährt man eine ganz eigene Form der Einsamkeit – an warmen Tagen inmitten von 40 Grad Innentemperatur, dem Geruch von Schweiß, Käseleberkäse und dem starren Blick der Pendler, die alle ihr eigenes „Kainsmal“ (meistens Noise-Cancelling-Kopfhörer unter Baseball-Kappen oder Turbanen) tragen.
#02b: Station Neue Donau: – Jordan/Donau
Wer an der U6-Station Neue Donau in Richtung Nod blickt, sieht das Wasser wie den Jordan – eine Grenze zwischen der angeblichen Zivilisation „Eden“ und dem Exil „Nod“.
Für seine Reise ins Exil nimmt der moderne Kain die U6 oder die Schnellbahn (die nur zufällig so heißt). Die Bestrafung für die begangenen Sünden beginnt nicht mehr mit einem göttlichen Spruch, sondern mit der Durchsage: Zug fährt nur bis Jägerstraße oder Schadhafter Zug wird eingezogen. Dort, wo sowohl die U6 als auch die Schnellbahn-Stammstrecke enden, liegt das (nicht so gelobte) Land Floridsdorf-Nod.
In Nod traf Kain auf andere „Gezeichnete“. Er lernte seine Frau kennen und gründete eine Familie.
#03: Nachfahrin der Ureinwohner Nods. Schon damals gab es wenig Grün in der Gegend.
Der Markt – Das Herz von Nod
Dass Nod echt ist und man in dieser Gegend überleben kann, beweist der Markt. Hier wurde das biblische Schicksal der ewigen Wanderschaft gegen einen festen Standplatz beim Fleischhauer, Fischgeschäft oder Gemüsehändler eingetauscht.
#04: Kommunikationszentrum Marktcafé
#05: Gewürze dürfen nicht fehlen. Die Spice-Girls tragen hier zumeist Kopftuch.
Am Floridsdorfer Markt opfert man dem Gott der Bodenständigkeit. Die Standlerinnen verkaufen keine Avocado-Toasts um 20 Euro, sondern das traditionelle Marchsteiner Sauerkraut; milchsauer vergoren, knackig und frisch. Ein wahres Überlebenszentrum für alle, die aus den sogenannten Nobel-Bezirken verstoßen wurden.
Wer aus der „Wüste“ der umliegenden Gemeindebauten kommt, findet hier ein gelobtes Land – in Form von Pferdeleberkäse, türkischen Oliven, orientalischen Gewürzen und niederösterreichischem Veltliner. Und ausgezeichnetem Kaffee bei der Rösterin!
#06: Obst und Gemüse
#07: Fisch – eine Reise zum Great Barrier Reef ist nicht erforderlich! Auch die teure Eintrittskarte ins Haus des Meeres kann man sich ersparen.
Der Schlingerhof – ein Wunderwerk der Gemeindebau-Architektur
Der Floridsdorfer Markt ist architektonisch vom Schlingerhof umschlossen, der vom „Roten Wien“ auf den Ruinen der Stadt Henoch errichtet wurde. Wer innerhalb dieser Ziegel-Festung steht, ist sicher vor den Versuchungen und Gefahren des innerstädtischen „Edens“.
#08: Auf den Ruinen der Stadt Henoch erbaut
#09: Im „Roten Wien“ waren zentrale Waschsalons (oder Waschküchen) eine revolutionäre Neuerung. Der Schlingerhof verfügte bereits bei seiner Eröffnung 1926 über moderne gemeinschaftliche Waschküchen. Diese sollten die schwere Hausarbeit erleichtern und Hygiene für alle Mieter ermöglichen.
Kains Nachfahren – Baumeister in Floridsdorf-Nod
Wer denkt, die Bautätigkeiten in Nod seien mit der Stadt Henoch abgeschlossen, irrt. Es wird weitergebaut. Die Nachfahren Kains wollen alles Grün der Erinnerung an Eden und alles Rotbraun des mit der Sünde befleckten Ackerbodens für immer verschwinden lassen. Außerdem brachte Kain einen Fluch mit nach Nod, der ihn und die Nod’sche Bevölkerung dazu bewog, Häuser zu errichten anstelle Pflanzen anzubauen.
Man könnte daher auf eine direkte Verbindung zwischen Genesis 4,12 und dem heutigen Zustand von Floridsdorf-Nod schließen und wohl auch davon ausgehen, dass der HERR wohl eher ein Sympatisant des „Roten Wien“ war bzw. ist, denn ein Mitglied der Grünen.
Wenn du den Erdboden bebaust, soll er dir fortan seine Kraft nicht mehr geben!
Genesis 4,12
#10a: Bautätigkeiten in Floridsdorf-Nod.
#10b: Noch gibt es vereinzelt niedrige Häuser auf der Donaufelder Straße.
#10c: Der Plan: Alles Grün verschwinden zu lassen.
Der Beweis: Kain war in Nod-Floridsdorf
Nicht umsonst ist Kaleb ein Ermittler der Sonderklasse. Nach diversen Zeuginnenbefragungen gelang es ihm, DAS Beweisfoto sicherzustellen.
#11: Die Zeuginnen
#12: Dieses Archivfoto zeigt Kain nach dem Rauwurf aus seinem Ackerland und dem Einzug in eine kleine Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung in Nod. Unter Germanistinnen wird rege diskutiert, ob der Begriff „sich vom Acker machen“ wohl viel älter als bisher angenommen ist.
Damit ist bestätigt:
1. Floridsdorf liegt im historischen Nod. 2. Kain zog nicht ruhelos herum, sondern ließ sich in Nod nieder. 3. Nod war schon vor dem Garten Eden und diversen Ackerländern rund um Eden ein hochentwickeltes städtisches Zentrum. 4. Der HERR war ein Unterstützer des „Roten Wien“.
Wenn du einen biblischen Fall für Dr. Tirza hast, für den du schon lange Gerechtigkeit wolltest oder wenn du findest, dass eine Person oder eine Gegend (so wie Nod) nicht ausreichend oder falsch in den biblischen Texten erwähnt wurde – melde dich bei mir.
Wie machst du das am besten? Indem du mir einen Kommentar hinterlässt. Du kannst Patin oder Pate für deinen Lieblingsfall werden. Kein Mandat ist mir zu klein – und keines zu groß!
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Ich bin Uli Pauer und ich unterstütze dich, Dinge loszuwerden, die für dich nur noch Ballast sind. Sachen, die dir schon lange im Weg und ein Dorn im Auge sind.
Willst du gleich loszulegen? Hol dir die geniale Checkliste „121-Dinge-sofort-ausmisten„. In diesem PDF ist alles (nach Wohnräumen bzw. Kategorien) aufgelistet, das du ohne Wenn und Aber hinauskatapultieren kannst. Von Elektroschrott bis zu alten Gebrauchsanweisungen und kratzigen Pullovern ist alles dabei. Zum Abhaken!
Zusätzlich bekommst du eine kleine Anleitung, wie du am besten und effizientesten mit dem Ausmustern beginnst.
Dienstag, 7. April bis Sonntag, 12. April 2026 – das Wetter in Porto und Umgebung ist wechselhaft. Alles ist dabei – Wind, Regen(tropfen), Wolken und Sonne. Best of Porto ist der unterhaltsame Bericht einer Reise in den Norden von Portugal, gespickt mit vielen interessanten Fun Facts.
Tag 1
Nach einem sehr angenehmen Flug von Wien nach Porto – mit tollen Ausblicken auf die schneebedeckten Alpen – kommen wir in der Hafenstadt Porto an. Wir fahren in unser Hotel, das sich als ein wahrer Glücksgriff herausstellt. Tolle Lage, schönes Zimmer, sehr freundliches und hilfsbereites Personal und ein großartiges Frühstück. Ein Best of Porto Moment!
#01a: Vincci Bonjardim – unser Hotel für den Aufenthalt
#01b: Unser Zimmer
#01c: Unsere Aussicht – wie wir später bei der Stadttour erfahren und sehen, gibt es in Porto sehr viele leerstehende Häuser in bester Lage. Oft können sich die Erben nicht einigen – und so verfallen viele Häuser nach und nach.
Auch das Restaurant Lameiras, nur wenige Schritte von unserem Hotel entfernt in der Rua do Bonjardim, entpuppt sich als Glücksgriff. Es ist kein Touristenspot und bietet köstliche, regionale Speisen und ausgezeichnete Weine. Und den besten Cheesecake mit roten Beeren ever!
Tag 2
Wir nehmen an einer Walking Tour teil und schlendern an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei. Azulejos (Fliesen) all around us. An Gebäuden, Kirchen, im Bahnhof – und natürlich in den Souvenir-Shops.
Am besten gefällt mir die imposante Kirche des Heiligen Ildefonso – wenngleich es (für mich) unklar bleibt, warum dieser spanische Heilige in Porto eine Kirche bekommen hat.
#02a: Igreja de San Ildefonso: Barockkirche aus dem 18. Jahrhundert, bekannt für ihre beeindruckende Fassade mit rund 11.000 Azulejo-Fliesen.
ldefons von Toledo (ca. 607–667) war ein bedeutender Erzbischof von Toledo und einer der einflussreichsten Kirchenväter der westgotischen Zeit in Spanien. Er war ein leidenschaftlicher Verteidiger der immerwährenden Jungfräulichkeit Marias. Als Dank für sein Werk De virginitate sanctae Mariae soll ihm die Gottesmutter sogar persönlich erschienen sein und ihm ein prächtiges Gewand (Kasel) geschenkt haben.
Fun Fact: Theodor Schmidt Senior (vom Wiener Unternehmen Victor Schmidt & Söhne) war so beeindruckt von der Heiligen-Ildefonso-Kirche in Toledo, dass er den 1880 kreierten Nougat-Würfel nach ihm benannte.
Sündhaft guter Genuss: Der 1970er Werbeslogan „Schäm dich Don Alonso – Ildefonso“ erzählte die Geschichte des (erfundenen) spanischen Edelmanns Don Alonso, der seiner Geliebten heimlich Ildefonso-Nougatwürfel schickte.
Die Bandarolen enthielten romantische und schelmische Liebesbotschaften, wie z.B. „Ein Kuss von dir ist süßer als mein Nougat.“
#02b: Alte und neue Azulejos
Tag 3
Nach den vielen Kirchen und Azulejos am Tag 2 geht es ins Weinbaugebiet des Douro Valleys. Es gehört zu den ältesten gesetzlich festgelegten Weinbaugebieten der Welt (seit 1756 geschützt) und ist seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe. Das Douro Valley erstreckt sich etwa 100 Kilometer entlang des Flusses Douro bis zur spanischen Grenze.
#03a: Douro Valley: Der Win wird auf Terrassen angebaut.
Die Region ist geprägt durch extrem steile Schieferhänge, auf denen die Reben auf jahrhundertealten, von Steinmauern gestützten Terrassen wachsen.
#03b: Douro Valley – Anbaugebiet des Portweins
Hier ist die Heimat des Portweins: Nur Weine, die in diesem abgegrenzten Gebiet produziert werden, dürfen offiziell als Portwein bezeichnet werden.
#03c: Weingärten des Weinguts Croft
Das Weingut von Croft Port im Douro-Tal ist die berühmte Quinta da Roêda. Sie gilt als das Herzstück des Hauses Croft, das bereits 1588 gegründet wurde und damit das älteste noch aktive Portweinhaus ist.
#03d: Weingut Croft: Wir sind bereit für die Weinverkostung.
Die Quinta beherbergt einige der ältesten Rebstöcke des Tals und ist bekannt für ihre Granit-Becken (Lagares), in denen die Trauben während der Ernte noch traditionell mit den Füßen gestampft werden. Wir verkosten Ruby (den Fruchtigen), Tawny (den Nussigen) und White (den Weißen). Mein Favorit: der White Port.
#03e: Weingut Croft: Weißer, Ruby und Tawny Port
Nach der Weinverkostung geht’s beschwingt aufs Boot für eine kleine Schifffahrt am Douro River.
#04a: Bootsfahrt am Douro
#04b: Bootsfahrt am Douro
#04c: Bootsfahrt am Douro
Nach einem ausgiebigen Mittagessen mit noch mehr Wein geht’s nach Amarante. Die Kleinstadt gilt als einer der romantischsten Orte des Landes und ist berühmt für ihre historische Steinbrücke aus dem Jahr 1790. Ursprünglich gab es an dieser Stelle eine Brücke aus dem 13. Jahrhundert, die laut Legende vom heiligen São Gonçalo selbst (mit Hilfe von Wundern) errichtet wurde. Man vermutet sogar, dass bereits zur Römerzeit eine Querung existierte.
#05a: Die berühmte historische Steinbrücke
Beim Brückenbau stellte São Gonçalo sogar Moses in den Schatten. Während Moses nur Wasser und Manna bekam, schaffte es Gonçalo, Wein, Fische und Gold zu erhalten und sogar den Teufel zu überlisten.
Wein aus dem Felsen: Um den Durst der erschöpften Bauarbeiter zu stillen, schlug er mit seinem Stab gegen einen Felsen, aus dem daraufhin Wein sprudelte.
Fische an Land: Bei Nahrungsmangel rief er die Fische des Flusses Tâmega zu sich, die daraufhin freiwillig ans Ufer sprangen, um von den Arbeitern gegessen zu werden.
Das schwere Papier: Er bat einen Geizhals um eine Spende. Dieser schrieb spöttisch auf einen Zettel, man solle Gonçalo so viel Gold geben, wie das Papier wiege. Das kleine Stück Papier wog auf der Waage wie durch ein Wunder schwerer als ein ganzer Haufen Goldmünzen.
Überlistung des Teufels: Um die riesigen Steine für die Brücke bewegen zu können, schloss er einen Pakt mit dem Teufel. Als dieser die Seele des ersten Lebewesens forderte, das die Brücke überquert, schickte Gonçalo listig einen Hund voran.
São Gonçalo fungiert auch als Heiratsvermittler für die angeblich „schwierigen“ Fälle; für ältere Jungfern oder Witwen, die noch einen Ehemann suchen. Da die älteren Frauen und Witwen es jedoch vermehrt vorziehen, auf einen Mann zu verzichten, vollzieht sich gerade ein Wandel – wie ich aus gut informierten Kreisen erfahren habe. São Gonçalo ist nun als Fürsprecher für ältere Männer 40+ tätig, die noch im Hotel Mama und Papa wohnen.
In seiner Grabkapelle befindet sich eine Statue mit einem Strick um die Taille. Wer dreimal an diesem Seil zieht, soll laut Volksglauben innerhalb eines Jahres einen Partner finden. Er gilt auch als Helfer bei Fruchtbarkeitsproblemen und um ihn zu unterstützen, wird in Amarante ein eigenwilliges, phallusförmiges Gebäck verkauft.
#05b: São Gonçalo
Tag 4
Unser heutiger Ausflug führt uns nach Braga und Guimarães.
#06a: Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte
Das Santuário do Bom Jesus do Monte (Guter Jesus vom Berge) ist eines der bedeutendsten Wallfahrtsheiligtümer Portugals und seit 2019 UNESCO-Weltkulturerbe. Es liegt auf dem Monte Espinho am Stadtrand von Braga und ist weltberühmt für seine monumentale Barocktreppe (die wir nicht gegangen sind – weil: über 500 Steinstufen).
Die gesamte Anlage ist als Heiliger Berg (Sacro Monte) konzipiert und bot Gläubigen, denen die Reise nach Jerusalem nicht möglich war, eine alternative Pilgerstätte. Fromme Wallfahrer bezwangen die über 500 Stufen der Monumentaltreppe oft auf den Knien, um Buße zu tun oder ein Versprechen einzulösen. Heute gibt es eine Standseilbahn – ein kleines ökologisches Wunderwerk. Sie verbraucht keinen Strom, sondern nutzt ausschließlich Schwerkraft und Wasser.
Besonders bemerkenswert ist (m.M. nach) das Altarbild mit einer Vielzahl an herumlungernden römischen Soldaten.
#06b: Kreuzigungs-Szene: Etwas unübersichtlich.
#06c: Kreuzigungs-Szene: Zwei römische Soldaten unterhalten sich.
In der Altstadt von Braga schreiten wir durch den barocken Torbogen – Arco da Porta Nova. Dieses Tor wurde niemals verschlossen bzw. hatte gar keine Tür, wie es sonst in mittelalterlichen Städten üblich war.
#07a: Eingang in die Stadt Braga
Die Straße führt direkt zur Sé de Braga (Kathedrale). Die älteste Kathedrale Portugals vereint Stile von der Romanik bis zum Barock.
#07b: Kathedrale von Braga
Vor der Kathedrale sind Kreuze aufgestellt, die wohl noch von der Semana Santa (Karwoche) stammen.
#07c: Holzkreuze bei der Kathedrale
Eine Besonderheit in der Semana Santa sind die Farricocos: Gestalten in schwarzen Tuniken mit Kapuzen, die barfuß durch die Straßen ziehen und mit den Holzklappern (Matracas) einen ohrenbetäubenden Lärm machen, um die Menschen auf die Zeit der Buße aufmerksam zu machen. Früher (im 14. Jahrhundert) hatten sie sogar die Aufgabe, Sünder aus ihren Häusern zur Kirche zu treiben. Ich konnte daher nicht anders, als mir so eine Farricoco-Figur zu kaufen, die derzeit neben meiner unsterblichen (Originalzitat: Antonia) Lego-Orchidee steht.
#07d: Mein Farricoco
Die Schaufenster sind voll von skurrilen Souvenirs – die auf das Leben und Sterben von Jesus hinweisen.
#07e: Das letzte Abendmahl: Unklar, wie die Stimmung bei diesem Essen wohl war.
#07f: Das letzte Abendmahl: Bunt!
#07g: Als Krimifan habe ich den dringenden Wunsch, dieses blutgetränkte Tuch in ein Labor für eine DNA-Untersuchung zu schicken.
Rund um die Kathedrale gibt es „Überreste“ von römischen Statuen. Mein Alter Ego Dr. Tirza hat sofort überlegt, ob sie die Römer wegen jahrtausendelanger illegaler Ablagerungen in Form von Steinen klagen könnte.
#07h: Römischer „Müll“ 🙂
In der Kathedrale: Gold und noch mehr Gold und Grabmäler. Ich denke mir immer, die Heilige Familie würde sich wundern.
#07i: Kathedrale von Braga – Innenansicht
#07j: Kathedrale von Braga – Detail
#07k: Das Grabmal des Infante Dom Afonso (1390–1400), des Sohnes von König João I. und Filipa de Lencastre – Grabkunst der portugiesischen Gotik/Renaissance.
Nach so viel Kirchen und Religion genießen wir den Garten der Heiligen Barbara (Jardim de Santa Bárbara). Der Garten grenzt direkt an die mittelalterliche Fassade des Erzbischöflichen Palais und ist im Stil eines klassischen französischen Gartens angelegt, mit präzise geschnittenen Hecken und symmetrischen Blumenarrangements.
#07l: Jardim de Santa Bárbara
#08a: Guimarães: Paço dos Duques de Bragança
#08b: Castelo de Guimarães
#08c: Padrão do Salado
Das Denkmal besteht aus einem quadratischen Pavillon mit vier monumentalen gotischen Spitzbögen. Im Inneren befindet sich ein Kreuzrippengewölbe.
Der Legende nach stand neben dem Denkmal ein vertrockneter Olivenbaum. Der Baum trug keine Früchte mehr und begann langsam zu vertrocknen. Nachdem ein heiliges Kreuz auf dem Platz aufgestellt worden war, erwachte der Olivenbaum zu neuem Leben, wurde wieder grün und trug erneut saftige Früchte. Dieses „Wunder“ gab dem Platz seinen heutigen Namen: Largo da Oliveira (Olivenbaumplatz).
Nach so vielen Sehenswürdigkeiten macht sich Erschöpfung breit.
#08d: Müde!
Dennoch beschließe ich – zurück in Porto – zum Jardim do Morro zu fahren, um den Sonnenuntergang zu genießen und zu fotografieren.
#09a: Sonnenuntergang
#09b: Sonnenuntergang
Tag 5
Heute steht die Besichtigung des Palácio da Bolsa auf unserem Programm. Der Palácio da Bolsa (Börsenpalast) in Porto ist eines der prächtigsten historischen Wahrzeichen Portugals. Er wurde im 19. Jahrhundert als Sitz der Handelskammer erbaut und diente über Jahrzehnte als Zentrum der wirtschaftlichen Macht.
#10a: Palácio da Bolsa: Pátio das Nações
#10b: Palácio da Bolsa: Glaskuppel
#10c: Palácio da Bolsa: Der Arabische Saal (Salão Árabe), ein kunstvoller Saal im maurischen Stil
#10d: Königin Maria II: Ihr voller Taufname umfasst über 15 Einzelnamen, darunter Maria da Glória Joana Carlota Leopoldina da Cruz Francisca Xavier de Paula Isidora Micaela Gabriela Rafaela Gonzaga de Áustria e Bragança.
Königin mit 7 – Verstorben mit nur 34 bei der Geburt ihres 11. Kindes. Maria II wurde in Rio de Janeiro, geboren, wohin die portugiesische Königsfamilie vor den napoleonischen Truppen geflohen war. Sie bestieg den Thron erstmals 1826 als Kind, wurde dann von ihrem Onkel verdrängt und regierte schließlich von 1834 bis zu ihrem frühen Tod 1853 dauerhaft. Sie trägt den Beinamen „a Educadora“ (die Erzieherin), da sie sich sehr für Bildung und Kultur einsetzte.
#010e: „Waldheim“: Ich finde, er schaut aus wie ein Waldheim-Doppelgänger.
Da wir schon so von Prunk und Gold gesättigt bzw. übersättigt sind, beschließen wir, die Igreja de São Francisco (Kirche des Heiligen Franziskus) nicht zu besuchen. Ich bin ein wenig stolz auf mich, denn normalerweise würde ich so eine Top-Sehenswürdigkeit nicht einfach links liegen lassen. Immerhin handelt es sich bei dieser Kirche um eines der bedeutensten gotischen Denkmäler Portos.
#11a: Fassade der Igreja de São Francisco
Im Innenraum der Kirche ist fast jeder Quadratzentimeter mit barocken Holzschnitzereien überzogen, die mit einer massiven Schicht Blattgold bedeckt sind. Schätzungen gehen von etwa 300 bis 400 kg Gold aus.
„Fun“ Fact: Die Kirche ist dem Heiligen Franz von Asissi geweiht.
Seine Ideale: Radikale Armut, Bescheidenheit und die Liebe zur Natur und zu den Tieren. Die Realität der Kirche: Prunk mit hunderten Kilogramm Gold.
Warum ist die Kirche so prunkvoll ausgestattet?
Die wohlhabenden Familien Portos wollten sich durch großzügige Spenden für die Innenausstattung einen Platz im Himmel (und in der prestigeträchtigen Kirche) sichern. So entstand im 17. und 18. Jahrhundert dieser extreme Prunk über der ursprünglichen, eigentlich schlichten gotischen Struktur.
Einen touristischen Punkt haken wir noch ab, bevor wir uns dem „Nichtstun“ zuwenden. Wir fahren mit der historischen Straßenbahn Nr. 1.
#11b: Straßenbahn Nr. 1
Tag 6
Da unser Flug zurück nach Wien erst am Abend geht, haben wir genug Zeit, um durch das malerische Stadtviertel Ribeira am Ufer des Douro – und UNESCO-Weltkulturerbe seit 1996 – zu schlendern.
#12a: Die berühmte Ponte Dom Luís I verbindet die Ribeira mit den Portweinkellern in Vila Nova de Gaia.
Das Viertel ist bekannt für farbenfrohe Häuserfassaden, enge Gassen und natürlich zahlreiche Restaurants und Cafés. Aber viele dieser Häuser sind in schlechtem Zustand oder leer und werden zum Verkauf angeboten.
#12b: Ribeira
#12c: Ribeira: Farbenfrohe Häuser mit Metallgittern und aufgehängter Wäsche.
#12d: Das gelbe Haus hat sicher schon bessere Zeiten erlebt und ist zum Verkauf angeboten.
#12e: Reibeira – viele Häuser warten noch auf die Renovierung.
#12f: Ribeira: Viele Häuser stehen leer.
#12g: Wer wohl in diesen Hosen gesteckt hat?
#12h: Die Reisenden
Dir hat gefallen, was du liest? Dann melde dich am besten sofort für meinen Newsletter an. Hier gibt’s jeden Sonntag die besten Tipps zu den Themen Ausmisten, Ordnung schaffen und Konsum. Mit vielen Geschichten, einer Dosis Augenzwinkern und ein guten Prise Wiener Humor. Dein Weg raus aus der ZuVIELisation.
Ich bin Uli Pauer und ich unterstütze dich, Dinge loszuwerden, die für dich nur noch Ballast sind. Sachen, die dir schon lange im Weg und ein Dorn im Auge sind.
Willst du gleich loszulegen? Hol dir die geniale Checkliste „121-Dinge-sofort-ausmisten„. In diesem PDF ist alles (nach Wohnräumen bzw. Kategorien) aufgelistet, das du ohne Wenn und Aber hinauskatapultieren kannst. Von Elektroschrott bis zu alten Gebrauchsanweisungen und kratzigen Pullovern ist alles dabei. Zum Abhaken!
Zusätzlich bekommst du eine kleine Anleitung, wie du am besten und effizientesten mit dem Ausmustern beginnst.
Gibt es einen Ausmisten Test, mit dem ich feststellen kann, wie weit ich beim Ausmisten und Minimalisieren schon gekommen bin, werde ich manchmal gefragt.
Es gibt ihn. Ich nenne ihn die Beethoven-Skala.
Ludwig van Beethoven war das, was man wohl zu Recht einen Albtraum-Mieter nennen kann. Sowohl für die Vermieter als auch für seine Nachbarn.
Er war laut und spielte bis tief in die Nacht hinein Klavier. Er hingegen wollte absolute Ruhe.
Mit zunehmender Taubheit änderte er seine Vorgangsweise. Er spielte nicht mehr, sondern hämmerte auf das Klavier ein und lauschte den Vibrationen. Sowohl das Instrument (beinlos) als auch er lagen am Boden.
Beim Komponieren goss er sich regelmäßig Wasser über den Kopf – und ließ es dann einfach durch die Decke in die Wohnung darunter tropfen.
Er war (aus seiner Sicht notgedrungen) ein Trinker. Das Wasser war damals in Wien nicht das beste und Wein erschien als die gesündere Variante.
Er ließ bauliche Änderungen vornehmen, wie z.B. Fenster ausbrechen ohne den Vermieter zu fragen, nur weil er eine bessere Aussicht wollte oder ihm die Wohnung zu dunkel war.
So kam es dazu, dass der Komponist mehr als 60 Mal übersiedelte.
Nun weiß ich zwar nicht, wie viele Habseligkeiten (außer den beinlosen Klavierieren), Beethoven hatte und wer ihm bei seinen vielen Übersiedlungen half. Aber: Wenn ich dir heute mitteile, dass du spätestens nächste Woche übersiedelt sein musst: Wie fühlt sich das an? Auf einer frei flottierenden Skala von 1 bis 10?
1a – Gar kein Problem; die Übersiedlung schaffe ich locker an einem Nachmittag, denn alle meine Sachen passen in den Kofferraum eines Autos. 1b – Gar kein Problem; ich beauftrage eine Übersiedlungs-Firma, die alles für mich an einem Tag erledigt. 1c – Gar kein Problem; ich nehme meinen Laptop, Handy und die wichtigsten Dokumente und Wertsachen, verlasse das Haus und beginne ein neues Leben. Sollen sich doch die künftigen Bewohner mit dem Zeug herumschlagen. … … … 10z – Geht gar nicht. Ich weigere mich, mein Haus zu verlassen und klebe mich am Sofa fest. Die Polizei muss kommen und mich raustragen. Es erfolgt eine Zwangsräumung und ich werde in die Psychiatrie eingewiesen.
Die meisten von uns sind wohl irgendwo mitten drin in dieser Beethoven-Skala. Ich nenne sie jetzt einfach mal so, denn der berühmte Komponist kann ja schwerlich Einspruch erheben. Immerhin starb er bereits 1827 im Alter von 56 Jahren.
Sein Tod ist in der Sterbematrik der Alserkirche folgendermaßen vermerkt: „Ludwig van Beethoven, lediger Tonsetzer, zu Bonn im Reich geb., 57 Jahre alt, gest. an Wassersucht, begraben am 29. März auf dem Gottesacker des Dorfes Währing.“
Wie weit du mit dem Ausmisten bist und damit, nur die Dinge im Haushalt zu haben, die wirklich essenziell für dich sind, zeigt dir dein persönlicher Blick auf die Beethoven-Skala.
Deine Antwort findest du, wenn du dich fragst, welche Emotionen eine potenzielle Übersiedlung bei dir hervorrufen. Nicht die Emotionen, die eine neue Umgebung mit sich bringt, sondern die Gefühle, die in dir aufsteigen, wenn du an alle deine Sachen denkst, die du nun bereit für den Wohnungswechsel machen sollst. Umzugsmaterial besorgen, alle Sachen ausräumen, zerbrechliche Gegenstände sicher einpacken, alles in Kartons schlichten, Kartons beschriften … in der neuen Wohnung wieder alles auspacken und einsortieren …
Die (wohl) gute Nachricht: Du musst nicht innerhalb einer Woche übersiedelt sein, aber du kannst JETZT beginnen, dich von den Sachen zu trennen, die dich belasten – und die du im Falle eines Wohnungswechsels nicht übersiedeln würdest. Der Ausmisten Test signalisiert dir deutlich, welche Sachen wirklich wichtig sind – und welche nicht.
Du willst einen oder mehrere Punkte auf der Ausmisten Test Skala hochsteigen?
Ich habe dir eine Liste mit 121 Dingen, die du sofort ausmisten kannst zusammengestellt. Mach den Ausmisten-Test – und erkenne, wie viele Sachen bei dir lagern, die du flott und easy weggeben kannst.
Donnerstag, der 12. März 2026 – das Wetter in Wien ist sonnig und frühlingshaft.
Die Anwältin Tirza
2026: Ich – Tirza habe eine Anwaltskanzlei eröffnet, in der ich Menschen vertrete, die in der Bibel als Kollateralschäden abgetan werden. Ich will jene zu Wort kommen lassen, die geschädigt, aber nie entschädigt wurden. Menschen, die – wenn überhaupt – nur als Randnotiz vorkommen. Ich übernehme ihr Mandat und kämpfe für späte Gerechtigkeit.
#01: Tirza – Advocata Adversa – auf den Stufen zum Justizpalast in Wien
Machla, Noa, Hogla, Milka und Tirza – unser Vater hatte „nur“ uns fünf Töchter. Wir waren gemeinsam mit ihm aus Ägypten ausgezogen und schon viele Jahre in der Wüste unterwegs, als er starb. Nachdem wir ihn betrauert hatten, gingen wir zu Mose und forderten:
Gib uns den Erbbesitz unseres Vaters!
Numeri 27,1
#02: In der Wüste: Mose befragt HaSchem.
Mose war, wie üblich, unentschlossen. Frauen und Besitz? Ungehört und unerhört! Er fragte HaSchem und bekam folgende Antwort:
Die Töchter Zelofhads haben Recht. Du musst den Erbbesitz ihres Vaters auf sie übertragen. Sag zu den Israeliten: Wenn jemand ohne Söhne stirbt, dann übertragt seinen Erbbesitz auf seine Tochter!
Numeri 27,8
Ein scheinbar aussichtsloser Fall war zu unseren Gunsten entschieden worden, weil wir unsere Forderung eingebracht hatten.
Ich beschloss, Anwältin zu werden und eine Kanzlei in Wien aufzumachen. Und genau jene zu vertreten, denen bisher keine göttliche Instanz geholfen hat. Geschädigte, die übersehen wurden und denen oft nicht einmal bewusst war, dass sie Rechte haben. Hiermit hat das Jahrtausende andauernde Warten auf Gerechtigkeit ein Ende.
#03: Mein Motto: Audiatur et altera pars – Man höre endlich die, die bisher keine Stimme hatten – oft nicht einmal einen Namen.
Der Schweinebauer Demetrius
Nun weidete dort an einem Berghang gerade eine große Schweineherde. Da baten die Dämonen Jesus: Lass uns doch in die Schweine hineinfahren! Er erlaubte es ihnen. Darauf verließen sie den Menschen und fuhren in die Schweine und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See. Es waren etwa zweitausend Tiere und alle ertranken.
Markus, 5, 1-20
Ich hatte einen gutgehenden Betrieb in Gergesa, direkt am Ostufer des See Gennesaret: Demetrios & Söhne. Ich war geachtet und machte gute Geschäfte mit den Römern, die für ihre Legionen das Fleisch bei mir bestellten. Meine Familie und ich lebten in bescheidenem Wohlstand. Bis zum Zeitpunkt, wo ein Verrückter – ein gewisser Wanderprediger, namens Jeschua aus Nazareth – meine ganze Herde (2.000 Tiere!) vorsätzlich tötete, indem er sie über das steile Ufer in den See jagte.
#04: Nur Grunzilla hat überlebt, weil sie am Tag der Katastrophe nicht mit der Herde unterwegs war.
Das war mein Ruin. Ich konnte die Verträge mit den Römern nicht erfüllen und musste all meine Ersparnisse für die Pönalezahlungen aufwenden. Meine Frau verließ mich und auch die Söhne zogen mit ihren Familien weg. Einst war ich ein rechtschaffener Kaufmann, hatte mir nie etwas zu Schulden kommen lassen. Danach war ich ein Bettler, in Lumpen gewandet.
Habe ich jemals eine Entschädigung bekommen? Nein! Ich wurde auch nicht in der Bibel erwähnt. Und Jeschua? Der zog weiter und sah sich nicht einmal um.
Tirza: Wir klagen auf Schadenersatz für 2.000 Tiere, die Pönalekosten, die angefallen sind, Schmerzensgeld für die erlittene psychische Belastung (Burn-out, Posttraumatische Belastungsstörung) inklusive Zinsen für 1.993 Jahre. Tierquälerei. Wir fordern außerdem die namentliche Nennung von Demetrius in den Evangelien Matthäus, Markus und Lukas und die Darstellung seiner Sichtweise.
Anmerkung Tirza in der Akte: Er erlaubte es ihnen (den Dämonen) in die Schweine zu fahren: Schuldeingeständnis.
Der „Verräter“ Judas Iskariot
Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss?
Lukas, 22,48
Seit nun fast 2.000 Jahren stehe ich – Judas Iskariot – als der ultimative Verräter, Dieb und Selbstmörder da.
Zur Klarstellung: Das bin ich nicht. Ich kannte Jeschua nicht einmal und habe erst viele Jahre später erfahren, dass mir die Rolle des Bösewichts zugeschanzt worden war. An diesem Pessachfest war ich nicht in Jerusalem und schon gar nicht habe ich irgendeinen Prediger aus Galiläa geküsst oder Silberschekel angenommen. 30 Silberschekel! Für so eine lächerlich geringe Summe würde ich nicht einmal aufstehen.
Wie mein Name Isch Kerijot sagt: Ich bin ein Mann aus Kerijot, einer Stadt im Süden Judäas. Im Süden! Und der Wanderguru Jeschua und seine Follower, ein bunt zusammengewürfelter Haufen ehemaliger Fischer, sind aus dem Norden. Es ist geradezu absurd, dass ich – ein gebildeter Mann aus Judäa – mich mit einer Gruppe Hinterwäldler aus Galiläa zusammentun sollte.
Tirza: Ein klarer Fall von Rufschädigung. Mein Mandant ist ein gebildeter und wohlhabender Mann aus Kerijot und hatte niemals irgendeinen Bezugspunkt zu Galiläa, Jeschua oder dessen Freunden. Zum besagten Wochenende war er nicht in Jerusalem. Und außerdem hätte er den Dialekt der Galiläer gar nicht verstanden.
Wir fordern: Unterlassung und Schadenersatz wegen Rufschädigung. Schwärzung bzw. Streichung bzw. Löschung sämtlicher Passagen, bildlicher Darstellungen, Video- und Filmmaterial, in denen mein Mandant vorkommt. Wir behalten uns vor, alle zu klagen, die weiterhin behaupten, dass Judas Iskariot ein Verräter sei und auch nur irgendetwas mit dem Tod eines Jeschua zu tun gehabt hätte.
Beweismittel:
1. Das „Letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci. Selbst da Vinci war überzeugt, dass es sich bei der Verräter-Behauptung um Fake handelt. Siehe: Hand mit Messer aus dem Nichts, die in Richtung Jeschua zeigt. Außerdem malt er meinen Mandanten mit nur einem Fuß.
#04: Beweisstück 2026/301: Ausschnitt des Freskos in der Wiener Minoritenkirche
2. Reservierung im Restaurant Gethsemane Grill & Lounge: Eidesstattliche Aussage der Eigentümerin des Restaurants, Frau Tabitha: Die Reservierung unter dem Namen Jeschua war nur für 12 (und nicht für 13) Personen. Aussage Levi, Oberkellner: Ich habe an besagtem Abend der Jeschua-Gruppe 12 Portionen Lammbraten serviert.
Anmerkung Tirza in der Akte: Mögliche neue Mandate – Eigentümerin von Gethsemane Grill behauptet, dass die Rechnung nie bezahlt wurde. Und auch der Besitzer des Esels, auf dem Jeschua nach Jerusalem eingeritten ist, hat den Esel als gestohlen gemeldet.
Die Fischersfrau Elisheba
Sofort rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.
Markus, 1,20
Meine Schwägerin Miriam und ich waren gerade dabei, das Abendessen zu kochen, als unser Schwiegervater Zebedäus völlig außer sich bei uns ankam. Wir hatten sofort das Gefühl, dass etwas Furchtbares passiert sein musste. Nachdem er wieder zu Atem gekommen war, begann er zu erzählen.
Jakobus, Johannes und ich flickten die Netze, als dieser falsche Prophet aufkreuzte und ihnen sagte, dass sie ihm folgen sollten, um Menschenfischer zu werden. Ich lachte noch und wollte sagen: Jetzt ist dieser Typ doch tatsächlich auch hier bei uns aufgetaucht. Doch die beiden waren schon – ohne auch nur ein Wort zu sagen – aufgestanden und ließen mich allein im Boot zurück.
#05: Das verlassene Boot.
Miriam und ich blickten einander an. Könnte es sein, dass unser Schwiegervater verrückt geworden war oder er einen plötzlichen Demenzschub hatte? Hatte er getrunken oder Drogen genommen?
Doch die Nacht brach herein und weder Jakobus noch Johannes kamen nach Hause. Zuerst hofften wir noch, dass sich alles irgendwie aufklären würde, aber dem war nicht so. Es verging ein weiterer Tag, dann zwei und dann eine Woche. Die Kinder fragten ständig nach ihren Vätern und wir wussten nicht, was wir ihnen sagen sollten. Schließlich meldeten wir Jakobus und Johannes als vermisst. Die Polizei interessierte sich jedoch nicht für unseren Fall. Die beiden waren erwachsene Männer und konnten sich aufhalten, wo sie wollten.
#06: Jakobus – eine Erinnerung an die guten Tage.
Wir hatten ein florierendes Fischereigeschäft, aber ohne unsere Männer konnten wir den Betrieb nicht weiterführen.
#07: Unser ehemaliges Fischgeschäft.
Wir mussten uns um unsere Kinder – das jüngste war erst 6 Wochen alt – und um unseren Schwiegervater kümmern. Er war ein gebrochener Mann. Wir waren gezwungen, in eine kleine Wohnung zu übersiedeln und das Haus zu verkaufen, um die Schulden zu bezahlen.
#08: Unser Schwiegervater Zebedäus unterstützte uns, wo er nur konnte.
Tirza: Wir klagen auf böswilliges Verlassen und nicht gleistete Unterhaltszahlungen. Umfassenden Schadenersatz und Schmerzensgeld im Namen der gesamten Familie – Elisheba, Miriam, ihre Kinder und Zebedäus. Zusatz in den Evangelien: Namentliche Nennung der Ehefrauen und aller Kinder und detaillierte Darstellung ihrer Sichtweise.
Anmerkung Tirza in der Akte: Überprüfung Jeschua wegen möglicher unerlaubter Hypnose. Polizeikommissariat Kaparnaum wegen unterlassener Hilfestellung trotz Vermisstenanzeige. Stadt Wien wegen Umbenennung der Jakobergasse in Elishebagasse.
Die Präfektengattin Claudia Procula
Mir reicht es. Lange Jahre habe ich versucht, meinen Mann Pontius Pilatus zu einem guten Leben anzuleiten und ihn und unsere Familien vor Schaden und Schande zu bewahren. Erfolglos, wie sich herausstellen sollte. Statt auf mich zu hören, trieb er sich lieber mit seinen Kumpels Kaiphas und Hannas herum.
Als er von Tiberius zum Präfekten der Unruheprovinz Judäa ernannt wurde, schwante mir bereits Böses. Das war kein Traumjob; ganz im Gegenteil. Aber als gute Ehefrau ging ich mit ihm mit. Zehn lange Jahre Judäa! Zumindest hatte ich einen schönen Pool, in dem ich täglich schwamm und eine traumhafte Aussicht von unserem Haus in Caesarea aufs Meer.
Pessach war immer besonders schlimm, da dann Tausende Pilger nach Jerusalem strömten. So auch im Jahr 33. Ein gewisser Jeschua war mit einer kleinen Schar Anhänger unterwegs und verbreitete abstruse Lehren vom Weltuntergang und einem neuen Reich. Mein Rat an Ponti: Einfach ignorieren und weiterziehen lassen.
Eines Tages kam meine Assistentin angelaufen: Pontius Pilatus will Jeschua hinrichten lassen! Ich war fassungslos. Dieser Trottel wollte doch tatsächlich aus einer Mücke einen Elefanten machen. Ich befahl meiner Assistentin, sofort einen Diener zu meinem Mann zu schicken und ihm folgende Nachricht zu überbringen:
Lass die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute Nacht einen schrecklichen Traum.
Matthäus 27,19
Anstelle zu tun, was ich ihm sagte, ließ er einen Mörder frei (der noch zwei weitere Morde beging!) und den armen Irren Jeschua hinrichten. Danach kam er nach Hause und erzählte mir mit stolzgeschwellter Brust, dass das alles nicht so schlimm sei und er seine Hände ohnehin in Unschuld gewaschen hätte.
#09: In diesem Rinnsal wusch sich Pontius Pilatus angeblich die Hände in Unschuld. Ablauf verstopft mit einer stinkenden Brühe.
Seit 2000 Jahren muss ich mir das anhören:
…gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.
Apostolisches Glaubensbekenntnis
Nicht Jeschua hat eine neue Religion gegründet, sondern Ponti, der Trottel und er kapiert es nicht einmal. Nicht nur der Prediger hat unter Pontius Pilatus gelitten, sondern vor allem ich! Ich will die Scheidung! Nicht einen Tag länger will ich mit Pontius Pilatus in Verbindung gebracht werden.
Tirza: Scheidungsklage. Grund: Seelische Grausamkeit. Pilatus hat durch sein Händewaschen und die daraus resultierende Erwähnung im Glaubensbekenntnis das Ansehen der gesamten Familie in alle Ewigkeit zerstört. Wir fordern das Haus in Caesarea, die Villa in Rom, die Rückzahlung der Mitgift von 1.000.000 Sesterzen und lebenslangen standesgemäßen Unterhalt.
Anmerkung Tirza in der Akte: Anwalt der Gegenseite behauptet, dass Pontius Pilatus bestreitet, besagte Hinrichtung unterschrieben zu haben. Er möchte sich mit Claudia versöhnen; ist jedoch m.M. nach ausgeschlossen. Achtung: Möglicher Rosenkrieg! Klärung, ob Annullierung der Ehe möglich wäre.
Kleine Korrekturen
Hase statt Kalb
Falsch: Aaron sammelt die goldenen Ohrringe des Volkes ein, schmilzt sie und gießt daraus ein Kalb. Mose gerät darüber so in Zorn, dass er die Steintafeln mit den Geboten zerschmettert. Er lässt das Kalb verbrennen, zu Staub vermahlen und die Israeliten das damit versetzte Wasser trinken.
#10: Der goldene Hase
Richtig: Der Hase war aus Schokolade und das damit versetzte Wasser wurde zu Kakao.
Manner statt Manna
Falsch: Das Manna war wie Koriandersamen und es sah wie Bdelliumharz aus.
#11: Manner mag man eben.
Richtig: Es sah wie die Neapolitaner Schnitten No. 239 aus.
Wie es weitergeht
Die Kanzlei läuft besser als erwartet. Im April berichte ich u.a. über folgende Fälle:
Die Urheberrechtsklage der Bürger:innen von Nod, die einstweilige Verfügung betreffend Betretungs- und Annäherungsverbot, das die Tüchtige Frau durchsetzen will und die Klage wegen Lärmbelästigung der Nachbarn von König David.
#12: Eingangstor nach Nod.
Wenn du einen biblischen Fall hast, für den du schon lange Gerechtigkeit wolltest oder wenn du findest, dass eine Person nicht ausreichend oder falsch in den biblischen Texten erwähnt wurde – melde dich bei mir.
Wie machst du das am besten? Indem du mir einen Kommentar hinterlässt. Du kannst Patin oder Pate für deinen Lieblingsfall werden. Kein Mandat ist mir zu klein – und keines zu groß!
PS.: Über Kommentare freue ich mich immer!
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Ich bin Uli Pauer und ich unterstütze dich, Dinge loszuwerden, die für dich nur noch Ballast sind. Sachen, die dir schon lange im Weg und ein Dorn im Auge sind.
Willst du gleich loszulegen? Hol dir die geniale Checkliste „121-Dinge-sofort-ausmisten„. In diesem PDF ist alles (nach Wohnräumen bzw. Kategorien) aufgelistet, das du ohne Wenn und Aber hinauskatapultieren kannst. Von Elektroschrott bis zu alten Gebrauchsanweisungen und kratzigen Pullovern ist alles dabei. Zum Abhaken!
Zusätzlich bekommst du eine kleine Anleitung, wie du am besten und effizientesten mit dem Ausmustern beginnst.
Der Traumdeuter ist im Rahmen des Anti-Adventkalenders 2025 entstanden. Ich lasse zwei alte Männer in der Berggasse in Wien aufeinandertreffen: Dr. Freud und Josef, den „Ziehvater“ von Jesus.
Niemand hat das Recht zu gehorchen. (Hannah Arendt, Historikerin und politische Philosophin)
Der Traumdeuter
Wien, Berggasse 9, im Dezember 1937
Eisiger Wind fegt durch die Berggasse, als es bei Dr. Freud klingelt. Ein Mann mit einem geschnitzten Stab steht draußen. Er ist viel zu dünn gekleidet für diesen kalten Wintertag. Als Anna ihn ins Arbeitszimmer ihres Vaters führt, lässt er sich müde aufs Sofa sinken.
Seit einer Ewigkeit plagt mich dieser Traum, sagt Josef.
Ich war mit Miriam verlobt und bald schon sollte die Hochzeit gefeiert werden. Da erfuhr ich, dass sie schwanger war. Nicht von mir! Es wurde getuschelt. Zuerst noch leise und hinter vorgehaltener Hand, dann ganz offen. Zuerst wollte ich nicht glauben, dass mich Miriam so hintergangen hatte und dass das brave und fromme Mädchen nur gespielt gewesen war.
Mein Rabbi kam, um mit mir zu reden, aber ich ging ihm aus dem Weg. Wahrscheinlich dachte er, er könnte mich mit salbungsvollen Worten trösten und mir eine Witwe in meinem Alter vermitteln.
Ich beschloss, mich in aller Stille von Miriam zu trennen. Ich war zutiefst gekränkt, aber ich bin kein Mann der vielen Worte und ich wollte kein Aufheben machen. Nichts ist mir mehr verhasst, als unnötige Aufmerksamkeit. Bemitleidet zu werden, als der betrogene Fast-Ehemann, der den Brautpreis bezahlt hatte, aber jetzt doch nicht unter der Chuppa stehen würde.
Ich lag lange wach im Bett und wälzte mich unruhig hin und her. Schließlich fiel ich aber doch in ein Art Dämmerschlaf.
Im Traum erschien mir ein gewaltiger Engel mit Schwert und sprach:
Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Miriam zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist vom Geist der Heiligkeit. Sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Auf dass erfüllt wird, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären.
Als ich vom Schlaf erwachte, tat ich, wie mir der Engel befohlen hatte, und nahm Miriam zu mir.
Ich wollte nicht, aber ich hatte Angst, zu widersprechen, den Befehl nicht auszuführen, die Prophezeiung nicht zu erfüllen, das Volk nicht zu retten.
Ich hoffte auf eine normale Ehe, aber Miriam zeigte mir die kalte Schulter.
Immer, wenn ich versuchte, mich ihr anzunähern, erschien mir der Engel im Traum. Jedes Mal furchterregender und angsteinflößender als das vorherige Mal. Er sagte nichts, starrte mich nur an.
Und so verzichtete ich auf meine Ansprüche, und auf mein Begehren. Ich begann mich zu schämen, weil ich immer noch zweifelte. Ich wurde ein Gläubiger.
Ich sagte mir: Du hast das Richtige getan. Du hast nur einem Befehl Folge geleistet. Du warst kein verantwortlicher Führer; nur eine Figur in der zweiten Reihe.
Niemand kann sich in die Zeit und die Lage versetzen, in der ich war.
Im Ofen brennt noch immer ein flackerndes Feuer, in dessen Schein das ausgemergelte Gesicht des Professors sichtbar wird. Wie gerne würde er in Wien bleiben. Hier in dieser Wohnung seinen letzten Atemzug tun, die ihm für fast 50 Jahre Heimat war. Aber er weiß, dass er in die Fremde gehen muss, um in Freiheit sterben zu dürfen.
Impuls: Wo in deinem Leben sagst du dir: „Ich habe keine Wahl“ oder „ich muss mich so entscheiden“?
Frag dich: Wo möchtest du bewusst anders wählen und was würde passieren, wenn du es tust?
Die Geburtstagsparty ist im Rahmen des Anti-Adventkalenders 2025 entstanden. Es ist mein allererster Text, in dem ich fast ausschließlich Dialog verwende.
Motto: Die ganze Welt ist eine Bühne. Und der Himmel auch. (Frei nach William Shakespeare)
Die Geburtstagsparty
Szene 2025 – Himmlische Küche
Die Szene spielt in der himmlischen Wohnung von Maria, Gott und Jesus, die nun als „echte“ und „normale“ Familie vereint sind. Es ist der 23. Dezember 2025 und Maria ist mit den Vorbereitungen für die Geburtstagsparty ihres Sohnes beschäftigt, während sich Gott ein Fußballspiel anschaut und Jesus gelangweilt durch die Chats scrollt.
Maria: Kann mir mal jemand helfen?! Girlanden aufhängen! Tisch decken! Den Wein vom Keller holen!
Gott: Gleich, Maria! Musst du mich immer unterbrechen, wenn ich mir EINMAL in Ruhe ein Spiel anschauen will? Was bist du auch jedes Mal so gestresst?
Maria: Ich bin gestresst, weil ihr beiden Faulsäcke es euch bequem macht, während ich hier alleine schuften muss! Für DEINEN Geburtstag, Jesus! DEINE Feier!
Jesus: Jedes Jahr das gleiche Drama! Wann begreifst du es endlich, Mama: Ich will keine langweilige Familienfeier! Ich will sowieso lieber zu Luzifers Party gehen.
Gott, donnernd: Kommt nicht in Frage! Die Engels sind kein Umgang für dich! … Abseits! Scheiß Schiri, was soll denn das jetzt!?!?
Maria zu Jesus: Hilf mir wenigstens meine 47.972.841 Anfragen und Fürbitten abzuarbeiten, die aus einem unerfindlichen Grund immer in MEINEM Postfach landen, obwohl sie dich und deinen Vater betreffen. Meine Cloud ist voll und ständig bekomme ich Nachrichten, mehr Speicherplatz zu kaufen.
Jesus: DELETE ALL – wie oft habe ich dir das schon gesagt, Mama. Lösch einfach alles; ist doch sowieso nur Spam!
Gott: Haben wir noch ein Bier im Kühlschrank? Und ein kleiner Snack wäre auch nicht schlecht.
Maria: Mir reicht’s jetzt langsam! Wie war das damals, als ich hochschwanger von Nazareth nach Betlehem trampen musste – zu Fuß? Wegen einer bescheuerten Prophezeiung! Von wegen Geburt in Bethlehem! 150 Kilometer! Da hat mir auch niemand einen Snack auf einem Silbertablett serviert! Und dann noch ein stinkender Stall als Unterkunft!
Gott: Ich habe dich doch reichlich entlohnt! Oder ist etwa Königin des Himmels, der Heiligen, der Märtyrer, der Apostel, des Friedens und der Engel nichts?
Jesus rollt die Augen und einen Joint.
Maria: Hättest du mir wenigstens Gabriella zur Seite gestellt, aber es musste ja dieser alte Kaker Josef sein. Zu nichts zu gebrauchen. Hat das ganze Gold in Ägypten verzockt. Und ich musste mein irdisches Leben mit ihm in diesem Kaff verbringen. Ich war de facto ALLEINERZIEHEND, denn der feine Herr Allmächtig war überall zugange, nur nicht in Nazareth.
Gott: Ich habe dir – und nur dir – ein göttliches Kind geschenkt. Was ist jetzt mit dem Snack?
Jesus: Ich werde auch langsam hungrig, Mama.
Maria: Göttlich, dass ich nicht lache. Er war aufsässig, frech und faul seit er das erste Wort gesprochen hat. Hat sich herumgetrieben und haarsträubende Geschichten erzählt. Ich war das Gespött der ganzen Nachbarschaft. Das Kind hätte eine Vaterfigur gebraucht. Aber DU warst ja abwesend!
Gott: Du hattest doch Josef!
Maria: Hörst du mir überhaupt zu? Josef war zu nichts zu gebrauchen. Ich habe dir doch mindestens 100.000-mal gesagt, dass ich Gabriella wollte. Gabriella und nicht Josef! Was ist daran so schwer zu verstehen?
Gott: Ich will nichts mehr hören von diesem nutzlosen Engel-Clan.
Maria: Ach ja, wer hat denn Luzifer – ENGEL – in die Wüste zum Rave geschickt, bei dem auch Jesus war? Seitdem wurde alles nur noch viel schlimmer. Und der allmächtige Allerbarmer – DU – was hast DU gemacht? Mal wieder nichts.
Jesus: Ich weiß gar nicht, warum ihr immer so auf Luzifer herumhackt. Er veranstaltet die heißesten und angesagtesten Partys. Und hier bei uns kommen schon seit 2025 Jahren immer dieselben langweiligen Gäste. Öder geht’s wohl nicht! Dabei ist es MEIN Geburtstag! Oma und Opa machen einen auf Althippie, das wird von Jahr zu Jahr peinlicher. Und Josef: wenn ich noch einmal hören muss, welche Dachstühle er in Nazareth gebaut hat, ich glaub’, dann werf’ ich mich ins ewige Feuer. Und am allerschlimmsten: Onkel Ruach, der ist jedes Mal so betrunken, dass er nur noch unzusammenhängende Wortfetzen säuselt! Kann er nicht wenigstens EINMAL zu meinem Geburtstag im Rehab Center bleiben?
Es klopft an der Tür. Draußen steht Gabriella Engel mit einer schicken Lockenfrisur und top gestylt in einem engen schwarzen Hosenanzug und hochhackigen Schuhen.
Gabriella: Bist du bereit, Mary? Die Limo wartet schon! Vienna here we come!
Maria wirft die Schürze auf den Boden.
Maria: Mir reicht’s endgültig! Ich verlasse dich! Hoffentlich findest du jemanden, der deine … göttlichen … Qualitäten zu schätzen weiß.
Aus dem Fernseher ertönt lauter Jubel und ohrenbetäubendes Geschrei: Toooooor!
Gott und Jesus starren Maria fassungslos an, die mit Gabriella die himmlische Küche verlässt.
Maria!!! Mama!!! Du kannst doch nicht …
Ruach torkelt durch die offene Tür.
Ruach: Nunc est bibendum! Wo ist der Spiritus, ähm, Schnaps?
Im Backrohr verbrennen die Vanillekipferl und in der Ferne hört man das Martinshorn der himmlischen Feuerwehr.
Ende der Szene
Maria als moderne Frau und Mutter – der es reicht
Anstelle Maria auf ein Podest zu stellen,
ätherisch
fromm die Hände gefaltet
fern
geisterhaft
den Blick züchtig gesenkt
oder gen Himmel gerichtet
lasse ich sie in der himmlischen Küche zu einer Frau aus Fleisch und Blut werden, die sich schon viel zu lange mit ihrem „göttlichen“ Gatten und einem Sohn, der es sich bequem im „Hotel Mama“ eingerichtet hat, herumschlagen muss.
Ich sehe mich mit diesem Text in der Tradition der Künstlerinnen und Künstler, die Maria in einen zeitgenössischen Kontext stellen.
Im Rahmen des Anti-Adventkalenders 2025 habe ich den Text Maria Immaculata geschrieben und dazu Anleihen von Franz Kafkas Texten genommen. So wie Josef K. im Buch „Der Prozess“ lasse ich Maria als tragische Figur auftreten, die nicht weiß, was ihr geschieht.
Während Josef K. eines Morgens aus unbekannten Gründen verhaftet wird, muss Maria damit klarkommen, dass ihr die Erbsünde und damit einhergehend wesentliche Rechte aberkannt wurden. Sie versucht alles, die Befleckung zurückzubekommen, scheitert aber an der übermächtigen Bürokratie.
Maria Immaculata
Vermerk: Die Eingabe 241/09A der Antragstellerin Maria Immaculata wird gemäß §07a-x abgelehnt.
Begründung: Die Antragstellerin Maria I., Aktenkürzel M/I-0815, ist auserwählt, über die Generationen hinweg als Vorbild für die erwartete weibliche Grundhaltung zu dienen. Sie ist auserkoren, die Stabilisierung eines patriarchalen Systems zu unterstützen und:
zu schweigen,
zu dienen,
zu gehorchen,
Bedürfnisse zurückzustellen,
keine Beschwerden vorzubringen,
keine Ansprüche zu erheben,
keine Rechte einzufordern
geduldig und dankbar
jede auferlegte Rolle widerspruchslos auszuführen.
Nach dem mysteriösen Verschwinden einer älteren und alleinstehenden Frau namens Maria Immaculata fand ihre Nachbarin folgende Tagebuchaufzeichnungen, mit denen selbst die Behörde in Nazareth nichts anfangen konnte.
Tag 25013, Abend – Rotweinfleck auf weißem Kleid
Tag 25014, Morgen – Kleid ist unbefleckt
Tag 25014, Abend – Fettfleck auf weißem Tischtuch
Tag 25015, Morgen – Tischtuch ist unbefleckt
Tag 25016, Abend – Fettfleck auf weißem Strumpf
Tag 25016, Morgen – Strumpf ist unbefleckt
Ihr wurde entzogen:
Die Erbsünde *
Ihr Glaube
Die Möglichkeit, Gabriel wegzuschicken
Die Möglichkeit, NEIN zu sagen
Ein Ehemann in ihrem Alter
Ein Ehemann, der eine echte, intime Beziehung wollte – und konnte
Ein Zuhause
Eine Geburt im Kreis der Frauen ihres Umfelds
Weitere Kinder
Eine Schwiegertochter
Enkel
Urenkel
Familienfeste
Ein Sohn, der sie achtete
der sie nicht öffentlich zurechtwies: „Was willst du von mir, Frau?“
der sie nicht relativierte: „Wer den Willen meines Vaters tut, ist meine Mutter“
der sie nicht einem Jünger übergab: „Siehe, deine Mutter“
Ein Sohn, der sie überlebte
Ein Tod im Kreise ihrer Familie
Ein Sohn, der an ihrem Grab das Kaddish sprach
* Unbefleckte Geburt Mariä: Maria ist als einziger Mensch von der Erbsünde frei („ohne Makel“) lt. katholischem Glauben.
** Kaddish: Lobpreis Gottes; Totengebet, das von den Hinterbliebenen für ihre verstorbenen Angehörigen gesagt wird.
Impuls:
Frag dich:
Wo sage ich Ja, obwohl ich Nein sagen will?
Wo ordne ich mich unter, nur des lieben Friedens willen?
Wo glaube ich, keine Rechte zu besitzen oder sie nicht durchsetzen zu können?
Wo unterstütze ich Frauen, denen ihre Rechte genommen oder vorenthalten werden?
Überlege, wie es wäre, in solchen Momenten bewusst zu wählen und dich nicht der Autorität zu beugen.
Ende des Adventkalender-Texts.
Maria Immaculata ist eine Erfindung der katholischen Kirche.
Die Mutter des Wanderpredigers Jesus war wohl eine einfache Frau, die in Nazareth lebte – einem kleinen Dorf in Galiläa mit etwa 400 Einwohner:innen. Der Glaube dort war traditionelles Judentum.
Diese jüdische Frau und Mutter wurde in über 2000 Jahren ein zentraler Teil des katholischen Storytellings.
Während Frauen generell als Menschen zweiter Klasse betrachtet wurden und teilweise noch immer werden, hat die katholische Kirche sie aufs Podest gehoben. Ihr wurden vier Dogmen gewidmet:
431 (Konzil von Ephesus): Maria als Gottesgebärerin
Maria bekam den Ehrentitel: Mutter Gottes oder Gottesmutter
Für alle anderen Frauen: Werdet Mütter; das ist euer Zweck; stellt eure Bedürfnisse hintenan. Lob ja – Bezahlung oder Einfluss: nein.
649 (Lateransynode): Maria als Jungfrau – vor, während und nach der Geburt
Maria empfing Jesus auf übernatürliche Weise. Die Geburt erfolgte, ohne die Jungfräulichkeit Mariäs zu beeinträchtigen und sie blieb auch nach der Geburt Jungfrau.
Für alle anderen Frauen: Ihr seid Sünderinnen. Beeinträchtigt. Selbst eine Geburt befleckt euch!
1854 (Papst Pius IX. in der Bulle Ineffabilis Deus): Maria als von der Erbsünde bewahrter Mensch
Maria wurde von Anfang an, im ersten Moment ihrer Empfängnis durch ihre Mutter Anna, durch ein einzigartiges Gnadengeschenk Gottes von der Erbsünde bewahrt, um würdig zu sein, den Erlöser zu gebären.
Mir fällt dazu ein: Grooming!
Die Gottesmutter und immerwährende Jungfrau ist gemäß katholischem Dogma
unbefleckt
makellos
rein
Für alle anderen Frauen: Ihr seid unwürdig, befleckt und unrein! Ihr solltet euch ständig optimieren!
1950 (Papst Pius XII. in der Apostolischen Konstitution Munificentissimus Deus): Maria wird mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen
Für alle anderen Frauen: Seid untertänig und gehorcht, dann werdet ihr im Jenseits auch belohnt.
So wurde Maria, die jüdische Frau, zum Ideal und Vorbild für die vielen Frauen, mit dem Zweck, die Frauen klein, untertänig und als billige Arbeitskräfte ohne Rechte zu halten, die nie klagen oder sich beschweren und deren Hauptzweck es ist, Kinder in die Welt zu setzen und die Familien- und Sorgearbeit zu leisten.
Fazit: Du findest, dass du oder dein Weihnachten nicht gut genug seid, du dich nicht genug optimiert hast und das sogenannte „Fest der Liebe“ bei dir nicht stromlinienförmig, friedlich, erfreulich oder besinnlich abläuft?
Mach das, was für dich richtig ist!
Die Geschichte der „Heiligen Familie“ ist ein zweckgebundenes und emotional aufgeladenes Storytelling (vom Feinsten), das auf die Trademark der katholischen Kirche einzahlt.
Marias Jahresrückblick habe ich nach dem Anti-Adventkalender 2025 geschrieben. Es ist ein Trostartikel für alle, deren Weihnachten und/oder Jahr nicht so besonders war. Für alle, die hadern und sich schlecht behandelt fühlen. Die denken, alle anderen haben es besser getroffen. Die Welt ist nicht immer so stromlinienförmig und gefiltert, wie auf Social Media oder so strahlend wie in Hochglanzmagazinen. Und: Du bist in bester Gesellschaft. Auch für Maria von Nazareth ist das Jahr 0 nicht so verlaufen, wie sie es sich vielleicht vorgestellt hat.
Was für ein beschissenes Jahr!!!
Marias Jahresrückblick:
Ungewollt schwanger! Kurz vor der Geburt von Nazareth nach Betlehem getrampt! Zu Fuß! 150 Kilometer! Nur um dort festzustellen, dass es gar keine Volkszählung gibt! Und das alles wegen einer bescheuerten Prophezeiung! Keine Unterkunft in Bethlehem frei! Geburt in einem stinkenden Stall! Ohne Hebamme! Keine Ruhe! Überall „Hirten“ und „Engel“ und dann noch drei sogenannte „Weise Männer“ (ein Widerspruch in sich)! Flucht nach Ägypten! Nicht im Privatjet, sondern auf einem ESEL! Rückkehr ins Kaff Nazareth. Zweckehe mit Josef. Der an allem anderen interessiert war, nur nicht an mir! Und: Der das ganze Gold in Ägypten verzockt hat!
Wenn Weihnachten oder das vergangene Jahr nicht deinen Erwartungen entspricht: Ich hätte es mir auch anders vorgestellt …