Anleitung: Kleiderschrank ausmisten

Kleiderschrank ausmisten

Wenn du nur eine einzige Hose oder ein einziges Kleid behalten dürftest, welches Stück wäre das?

Ich höre sehr gerne True Crime Podcasts und bei einem dieser Podcasts kam ein amerikanischer Staatsanwalt zu Wort. Sein Problem war die riesige Fülle an Ermittlungsmaterial: 

Als ich mich hinsetzte, um den Fall vorzubereiten, fühlte ich mich komplett überfordert. Ich war in meinem Arbeitszimmer und hatte die Akten vor mir ausgebreitet. Ich hatte so viele Beweismittel und Zeugeneinvernahmen. Die Ermittler hatten mehrere Hundert Leute befragt. Und ich dachte mir: Wie soll ich bloß damit umgehen? Die Methode, die ich über die Jahre entwickelt habe, ist ein Spiel: Ich kann nur einen einzigen Zeugen auswählen – wer ist das? So beginne ich meine Strategie zu entwickeln. Sobald ich weiß, wen ich wähle, hilft es mir meinen Fokus zu setzen und meinen Fall davon ausgehend aufzubauen.

Geht es dir beim Ausmisten auch so ähnlich? Fühlst du dich auch manchmal überfordert? Du hast den Kleiderschrank oder ein Regal ausgeräumt oder du stehst davor. Du willst dich von vielen Sachen trennen, doch von welchen? Es ist ein riesiger Berg und du fühlt dich von der schieren Menge erschlagen.

Jedes Ding in die Hand nehmen? Du hast das Gefühl, das würde Tage oder Wochen dauern? Dann versuche es mit Limitierung

Anstelle dich damit herumzuplagen, welche Stücke du ausmustern sollst, überlege dir, welche Stücke du auf jeden Fall behalten willst. Frag dich: „Welche Stücke passen JETZT zu mir – und nicht zu meinem Fantasy Self (aus der Vergangenheit oder der Zukunft)?

Hier ist eine Schritt-für-Schritt Anleitung, wie du bei einer großen Anzahl an Dingen dennoch flott ausmisten kannst. Ich erkläre die einzelnen Schritte anhand der Aufgabe „Kleidung ausmisten“. Diese Strategie kannst du aber auch auf alle anderen Dinge anwenden.

Dein Kleiderschrank ist voll – nur für DICH ist nichts dabei? So schaffst du Abhilfe!

Schritt 0: Wohin damit?

Viele Ausmist-Versuche scheitern genau an dieser Frage. Belasse es nicht dabei, diese Frage theoretisch und nur im Konjunktiv zu beantworten, sondern suche realistische Möglichkeiten, die gut und zeitschonend umsetzbar sind und fange auch sofort an, sie umzusetzen.

Wohin mit ausgemusterten Sachen?

Schritt 1: Definiere deine Subkategorien

Subkategorien können z.B. sein: Hosen, Blusen, T-Shirts, Röcke, Kleider, Jacken, etc.

Schritt 2: Bestimme pro Subkategorie eine Zahl

Die Zahl definiert die Anzahl der Kleidungsstücke, die du behalten willst. Keine Sorge, sie ist nicht in Stein gemeisselt. Sie soll dir nur als ungefähre Orientierung und als Obergrenze dienen.

Wie kommst du nun zu dieser Zahl, wirst du vielleicht fragen. Folgende Erwägungen können einfließen:

Deine Vorlieben

Ich trage z.B. am liebsten Hosen, d.h. in dieser Subkategorie ist meine Anzahl höher, als bei den Kleidern, wo ich gerade einmal zwei – eines für den Sommer und eines für den Winter – besitze.

Deine Wäsche

  • Wie oft wäscht du?
  • Trennst du die Wäsche akkurat oder wird alles gemeinsam gewaschen?

Mir ist es wichtig, dass ich die Waschmaschine sinnvoll einsetzen kann. So habe ich mich z.B. von allen weißen Kleidungsstücken getrennt, denn damit erspare ich mir die weiße Wäsche und einen Waschgang, wo die Waschmaschine nur zu maximal 1/4 voll war. Ich habe auch sämtliche Kleidungsstücke weggegeben, die eine Sonderbehandlung, wie Handwäsche benötigen.

Gebügelt wird bei mir ebenfalls nicht. Diese Tätigkeit habe ich schon vor vielen Jahren minimalisiert.

Deine Gewohnheiten und dein Tagesablauf

  • Brauchst du Arbeitskleidung?
  • Reist du viel und wie viel Kleidung benötigst du dafür?
  • Brauchst du Sportbekleidung?

Schritt 3: Finde deine Lieblingsstücke (im Kopf)

Nun kommt die Strategie des Staatsanwalts ins Spiel. So wie er seine Hauptzeugen, auf die er auf keinen Fall verzichten will, definiert hat, so überlegst du dir, welches deine Lieblingsstücke sind bzw. welche du ständig brauchst. Wenn du nur eine einzige Hose behalten dürftest, welche wäre das? Wenn du noch eine zweite haben darfst, welche wählst du aus? So bestimmst du deine Favoriten pro Kategorie. Ausgehend von den Top-Favoriten setzt du deinen Fokus für deine zukünftige Garderobe. So entsteht nach und nach deine Capsule Wardrobe.

Du solltest darauf achten, nicht (extrem) über die vorher definierte Zahl zu gelangen. 

Schritt 4: Räume deine Lieblingsstücke beiseite

Deine Lieblingsstücke willst du behalten, daher brauchst du dich vorerst nicht weiter darum kümmern. Du räumst sie aus dem Schrank und legst sie beiseite. Wichtig ist, dass diese Sachen auch wirklich in die Kategorie „Lieblingsstücke“ fallen und du sie in Gebrauch hast. Ein Kleidungsstück ist „schön“ oder war „teuer“ oder ist eine „Erinnerung“, aber du hast es jahrelang nicht mehr getragen? Dann gehört es nicht in die Kategorie „Lieblingsstücke“.

Schritt 5: Räume den Schrank aus

Je nachdem, wie groß dein Schrank ist und wie viele Kleidungsstücke du hast, räumst du entweder den ganzen Schrank aus oder einen Teil davon. Sortiere deine Sachen nach den vorher definierten Kategorien.

Schritt 6: Die Entscheidung

Die Radikalkur

Alles, was es nicht in den Status „Lieblingsstücke“ fällt, kann entsorgt (verschenkt, verkauft oder weggeworfen) werden.

Ausmisten light

Du gehst die Kleidungsstücke (die nicht den Status „Favoriten“ bekommen haben) nochmals durch und trennst dich sehr großzügig von den meisten der verbliebenen Dinge. Du weißt ja, deine Lieblingsstücke sind hier nicht dabei! Wovon du dich jedenfalls trennen solltest sind folgende Sachen:

  • Zu klein oder zu groß
  • Zwickt oder kratzt
  • Kaputt (es sei denn, du hast WIRKLICH vor, es zu reparieren)
  • Einzelstücke (z.B. Bluse, die zu keiner Hose oder Rock passt)
  • In den letzten Jahren nie im Gebrauch (sei ehrlich zu dir selbst!)
  • Gehören zu einem Fantasy Self (aus der Vergangenheit oder der Zukunft)

Schritt 7: Reinige den Schrank gründlich

Du wirst sehen, das macht einen großen Unterschied. Es ist viel schwieriger, ungeliebtes Zeug in einen gereinigten Schrank einzuräumen. Solltest du bei Schritt 6 zu großzügig gewesen sein, wird dir der saubere Schrank ein Signal geben.

Schritt 8: Sortiere deine verbliebenen Kleidungsstücke ein

Nun, da du dich von vielen Kleidungsstücken getrennt hast, ist genug Platz für deine Lieblingsstücke. Bedenke stets, auch deine Dinge möchten es gemütlich haben und nicht so eingequetscht sein, wie die Fahrgäste in der Tokioter U-Bahn zur Rushhour, die noch einen Oshiya (Schieber, Drücker) benötigen.

Tipp 1: Die Kleidungsstücke, die auf keinen Kleiderbügel kommen, kannst du rollen. So hast du einen viel besseren Überblick und kannst wesentlich besser die Ordnung bewahren. Versuch es einfach einmal. 

Tipp 2: Hänge die Kleiderbügel verkehrt herum in den Schrank. Sobald du ein Kleidungsstück anziehst, drehst du den Bügel in die richtige Richtung. So siehst du (z.B. nach einem Jahr) auf einen Blick, welche Sachen du angezogen hast und welche nicht. Das ist besonders wichtig, wenn es „Vielleicht-Stücke“ in den Schrank geschafft haben. Diese Methode wird dir die Entscheidung beim nächsten Kleiderschrank-Check sehr erleichtern.

Schritt 9: Entferne die ausgemusterten Kleidungsstücke

Entferne die ausgemusterten Kleidungsstücke so rasch wie möglich. Es sollen keine Zwischenlager entstehen.

Tipp 1: Wenn dir Schnelligkeit wichtig ist, dann halte dich nicht mit Verkaufen auf bzw. wenn du verkaufen willst, dann in Bausch und Bogen.

Tipp 2: DU entscheidest über DEINE Sachen. Lass dich nicht von Aussagen wie: „WAS!!!! Dieses tolle Teil willst du weggeben?“ in die Irre leiten. Am besten, du bringst die ausgemusterten Kleidungsstücke aus dem Haus BEVOR Familienmitglieder ihre Ansichten zu DEINER Kleidung kundtun können!

Tipp 3: Was im Sack drinnen ist, bleibt drinnen.

Schritt 10 (optional): Analyse

Zu welcher Kategorie gehören die ausgemusterten Sachen?

  • Passen nicht mehr (zu groß/zu klein)
  • Sind durch das viele Tragen bzw. Waschen unansehnlich oder kaputt geworden
  • Haben dir einmal gefallen, aber jetzt nicht mehr
  • Fehlkäufe
  • Spontankäufe
  • Geschenke

Wenn du viele Kleidungsstücke den letzten 3 Kategorien hast, vielleicht sogar Kleidungsstücke, die du nie getragen hast, dann lies hier weiter:

Vorsicht! Konsumfalle! 6 Tipps wie du ihr entkommst!

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