Dienstag, 7. April bis Sonntag, 12. April 2026 – das Wetter in Porto und Umgebung ist wechselhaft. Alles ist dabei – Wind, Regen(tropfen), Wolken und Sonne. Best of Porto ist der unterhaltsame Bericht einer Reise in den Norden von Portugal, gespickt mit vielen interessanten Fun Facts.
Tag 1
Nach einem sehr angenehmen Flug von Wien nach Porto – mit tollen Ausblicken auf die schneebedeckten Alpen – kommen wir in der Hafenstadt Porto an. Wir fahren in unser Hotel, das sich als ein wahrer Glücksgriff herausstellt. Tolle Lage, schönes Zimmer, sehr freundliches und hilfsbereites Personal und ein großartiges Frühstück. Ein Best of Porto Moment!



Auch das Restaurant Lameiras, nur wenige Schritte von unserem Hotel entfernt in der Rua do Bonjardim, entpuppt sich als Glücksgriff. Es ist kein Touristenspot und bietet köstliche, regionale Speisen und ausgezeichnete Weine. Und den besten Cheesecake mit roten Beeren ever!
Tag 2
Wir nehmen an einer Walking Tour teil und schlendern an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei. Azulejos (Fliesen) all around us. An Gebäuden, Kirchen, im Bahnhof – und natürlich in den Souvenir-Shops.
Am besten gefällt mir die imposante Kirche des Heiligen Ildefonso – wenngleich es (für mich) unklar bleibt, warum dieser spanische Heilige in Porto eine Kirche bekommen hat.

ldefons von Toledo (ca. 607–667) war ein bedeutender Erzbischof von Toledo und einer der einflussreichsten Kirchenväter der westgotischen Zeit in Spanien. Er war ein leidenschaftlicher Verteidiger der immerwährenden Jungfräulichkeit Marias. Als Dank für sein Werk De virginitate sanctae Mariae soll ihm die Gottesmutter sogar persönlich erschienen sein und ihm ein prächtiges Gewand (Kasel) geschenkt haben.
Fun Fact: Theodor Schmidt Senior (vom Wiener Unternehmen Victor Schmidt & Söhne) war so beeindruckt von der Heiligen-Ildefonso-Kirche in Toledo, dass er den 1880 kreierten Nougat-Würfel nach ihm benannte.
Sündhaft guter Genuss: Der 1970er Werbeslogan „Schäm dich Don Alonso – Ildefonso“ erzählte die Geschichte des (erfundenen) spanischen Edelmanns Don Alonso, der seiner Geliebten heimlich Ildefonso-Nougatwürfel schickte.
Die Bandarolen enthielten romantische und schelmische Liebesbotschaften, wie z.B. „Ein Kuss von dir ist süßer als mein Nougat.“
#02b: Alte und neue Azulejos
Tag 3
Nach den vielen Kirchen und Azulejos am Tag 2 geht es ins Weinbaugebiet des Douro Valleys. Es gehört zu den ältesten gesetzlich festgelegten Weinbaugebieten der Welt (seit 1756 geschützt) und ist seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe. Das Douro Valley erstreckt sich etwa 100 Kilometer entlang des Flusses Douro bis zur spanischen Grenze.

Die Region ist geprägt durch extrem steile Schieferhänge, auf denen die Reben auf jahrhundertealten, von Steinmauern gestützten Terrassen wachsen.

Hier ist die Heimat des Portweins: Nur Weine, die in diesem abgegrenzten Gebiet produziert werden, dürfen offiziell als Portwein bezeichnet werden.

Das Weingut von Croft Port im Douro-Tal ist die berühmte Quinta da Roêda. Sie gilt als das Herzstück des Hauses Croft, das bereits 1588 gegründet wurde und damit das älteste noch aktive Portweinhaus ist.

Die Quinta beherbergt einige der ältesten Rebstöcke des Tals und ist bekannt für ihre Granit-Becken (Lagares), in denen die Trauben während der Ernte noch traditionell mit den Füßen gestampft werden. Wir verkosten Ruby (den Fruchtigen), Tawny (den Nussigen) und White (den Weißen). Mein Favorit: der White Port.

Nach der Weinverkostung geht’s beschwingt aufs Boot für eine kleine Schifffahrt am Douro River.



Nach einem ausgiebigen Mittagessen mit noch mehr Wein geht’s nach Amarante. Die Kleinstadt gilt als einer der romantischsten Orte des Landes und ist berühmt für ihre historische Steinbrücke aus dem Jahr 1790. Ursprünglich gab es an dieser Stelle eine Brücke aus dem 13. Jahrhundert, die laut Legende vom heiligen São Gonçalo selbst (mit Hilfe von Wundern) errichtet wurde. Man vermutet sogar, dass bereits zur Römerzeit eine Querung existierte.

Beim Brückenbau stellte São Gonçalo sogar Moses in den Schatten. Während Moses nur Wasser und Manna bekam, schaffte es Gonçalo, Wein, Fische und Gold zu erhalten und sogar den Teufel zu überlisten.
- Wein aus dem Felsen: Um den Durst der erschöpften Bauarbeiter zu stillen, schlug er mit seinem Stab gegen einen Felsen, aus dem daraufhin Wein sprudelte.
- Fische an Land: Bei Nahrungsmangel rief er die Fische des Flusses Tâmega zu sich, die daraufhin freiwillig ans Ufer sprangen, um von den Arbeitern gegessen zu werden.
- Das schwere Papier: Er bat einen Geizhals um eine Spende. Dieser schrieb spöttisch auf einen Zettel, man solle Gonçalo so viel Gold geben, wie das Papier wiege. Das kleine Stück Papier wog auf der Waage wie durch ein Wunder schwerer als ein ganzer Haufen Goldmünzen.
- Überlistung des Teufels: Um die riesigen Steine für die Brücke bewegen zu können, schloss er einen Pakt mit dem Teufel. Als dieser die Seele des ersten Lebewesens forderte, das die Brücke überquert, schickte Gonçalo listig einen Hund voran.
São Gonçalo fungiert auch als Heiratsvermittler für die angeblich „schwierigen“ Fälle; für ältere Jungfern oder Witwen, die noch einen Ehemann suchen. Da die älteren Frauen und Witwen es jedoch vermehrt vorziehen, auf einen Mann zu verzichten, vollzieht sich gerade ein Wandel – wie ich aus gut informierten Kreisen erfahren habe. São Gonçalo ist nun als Fürsprecher für ältere Männer 40+ tätig, die noch im Hotel Mama und Papa wohnen.
In seiner Grabkapelle befindet sich eine Statue mit einem Strick um die Taille. Wer dreimal an diesem Seil zieht, soll laut Volksglauben innerhalb eines Jahres einen Partner finden. Er gilt auch als Helfer bei Fruchtbarkeitsproblemen und um ihn zu unterstützen, wird in Amarante ein eigenwilliges, phallusförmiges Gebäck verkauft.

Tag 4
Unser heutiger Ausflug führt uns nach Braga und Guimarães.

Das Santuário do Bom Jesus do Monte (Guter Jesus vom Berge) ist eines der bedeutendsten Wallfahrtsheiligtümer Portugals und seit 2019 UNESCO-Weltkulturerbe. Es liegt auf dem Monte Espinho am Stadtrand von Braga und ist weltberühmt für seine monumentale Barocktreppe (die wir nicht gegangen sind – weil: über 500 Steinstufen).
Die gesamte Anlage ist als Heiliger Berg (Sacro Monte) konzipiert und bot Gläubigen, denen die Reise nach Jerusalem nicht möglich war, eine alternative Pilgerstätte. Fromme Wallfahrer bezwangen die über 500 Stufen der Monumentaltreppe oft auf den Knien, um Buße zu tun oder ein Versprechen einzulösen. Heute gibt es eine Standseilbahn – ein kleines ökologisches Wunderwerk. Sie verbraucht keinen Strom, sondern nutzt ausschließlich Schwerkraft und Wasser.
Besonders bemerkenswert ist (m.M. nach) das Altarbild mit einer Vielzahl an herumlungernden römischen Soldaten.


In der Altstadt von Braga schreiten wir durch den barocken Torbogen – Arco da Porta Nova. Dieses Tor wurde niemals verschlossen bzw. hatte gar keine Tür, wie es sonst in mittelalterlichen Städten üblich war.

Die Straße führt direkt zur Sé de Braga (Kathedrale). Die älteste Kathedrale Portugals vereint Stile von der Romanik bis zum Barock.

Vor der Kathedrale sind Kreuze aufgestellt, die wohl noch von der Semana Santa (Karwoche) stammen.

Eine Besonderheit in der Semana Santa sind die Farricocos: Gestalten in schwarzen Tuniken mit Kapuzen, die barfuß durch die Straßen ziehen und mit den Holzklappern (Matracas) einen ohrenbetäubenden Lärm machen, um die Menschen auf die Zeit der Buße aufmerksam zu machen. Früher (im 14. Jahrhundert) hatten sie sogar die Aufgabe, Sünder aus ihren Häusern zur Kirche zu treiben. Ich konnte daher nicht anders, als mir so eine Farricoco-Figur zu kaufen, die derzeit neben meiner unsterblichen (Originalzitat: Antonia) Lego-Orchidee steht.

Die Schaufenster sind voll von skurrilen Souvenirs – die auf das Leben und Sterben von Jesus hinweisen.



Rund um die Kathedrale gibt es „Überreste“ von römischen Statuen. Mein Alter Ego Dr. Tirza hat sofort überlegt, ob sie die Römer wegen jahrtausendelanger illegaler Ablagerungen in Form von Steinen klagen könnte.
#07h: Römischer „Müll“ 🙂
In der Kathedrale: Gold und noch mehr Gold und Grabmäler. Ich denke mir immer, die Heilige Familie würde sich wundern.



Nach so viel Kirchen und Religion genießen wir den Garten der Heiligen Barbara (Jardim de Santa Bárbara). Der Garten grenzt direkt an die mittelalterliche Fassade des Erzbischöflichen Palais und ist im Stil eines klassischen französischen Gartens angelegt, mit präzise geschnittenen Hecken und symmetrischen Blumenarrangements.




Das Denkmal besteht aus einem quadratischen Pavillon mit vier monumentalen gotischen Spitzbögen. Im Inneren befindet sich ein Kreuzrippengewölbe.
Der Legende nach stand neben dem Denkmal ein vertrockneter Olivenbaum. Der Baum trug keine Früchte mehr und begann langsam zu vertrocknen. Nachdem ein heiliges Kreuz auf dem Platz aufgestellt worden war, erwachte der Olivenbaum zu neuem Leben, wurde wieder grün und trug erneut saftige Früchte. Dieses „Wunder“ gab dem Platz seinen heutigen Namen: Largo da Oliveira (Olivenbaumplatz).
Nach so vielen Sehenswürdigkeiten macht sich Erschöpfung breit.

Dennoch beschließe ich – zurück in Porto – zum Jardim do Morro zu fahren, um den Sonnenuntergang zu genießen und zu fotografieren.


Tag 5
Heute steht die Besichtigung des Palácio da Bolsa auf unserem Programm. Der Palácio da Bolsa (Börsenpalast) in Porto ist eines der prächtigsten historischen Wahrzeichen Portugals. Er wurde im 19. Jahrhundert als Sitz der Handelskammer erbaut und diente über Jahrzehnte als Zentrum der wirtschaftlichen Macht.




Königin mit 7 – Verstorben mit nur 34 bei der Geburt ihres 11. Kindes. Maria II wurde in Rio de Janeiro, geboren, wohin die portugiesische Königsfamilie vor den napoleonischen Truppen geflohen war. Sie bestieg den Thron erstmals 1826 als Kind, wurde dann von ihrem Onkel verdrängt und regierte schließlich von 1834 bis zu ihrem frühen Tod 1853 dauerhaft. Sie trägt den Beinamen „a Educadora“ (die Erzieherin), da sie sich sehr für Bildung und Kultur einsetzte.

Da wir schon so von Prunk und Gold gesättigt bzw. übersättigt sind, beschließen wir, die Igreja de São Francisco (Kirche des Heiligen Franziskus) nicht zu besuchen. Ich bin ein wenig stolz auf mich, denn normalerweise würde ich so eine Top-Sehenswürdigkeit nicht einfach links liegen lassen. Immerhin handelt es sich bei dieser Kirche um eines der bedeutensten gotischen Denkmäler Portos.

Im Innenraum der Kirche ist fast jeder Quadratzentimeter mit barocken Holzschnitzereien überzogen, die mit einer massiven Schicht Blattgold bedeckt sind. Schätzungen gehen von etwa 300 bis 400 kg Gold aus.
„Fun“ Fact: Die Kirche ist dem Heiligen Franz von Asissi geweiht.
Seine Ideale: Radikale Armut, Bescheidenheit und die Liebe zur Natur und zu den Tieren.
Die Realität der Kirche: Prunk mit hunderten Kilogramm Gold.
Warum ist die Kirche so prunkvoll ausgestattet?
Die wohlhabenden Familien Portos wollten sich durch großzügige Spenden für die Innenausstattung einen Platz im Himmel (und in der prestigeträchtigen Kirche) sichern. So entstand im 17. und 18. Jahrhundert dieser extreme Prunk über der ursprünglichen, eigentlich schlichten gotischen Struktur.
Einen touristischen Punkt haken wir noch ab, bevor wir uns dem „Nichtstun“ zuwenden. Wir fahren mit der historischen Straßenbahn Nr. 1.

Tag 6
Da unser Flug zurück nach Wien erst am Abend geht, haben wir genug Zeit, um durch das malerische Stadtviertel Ribeira am Ufer des Douro – und UNESCO-Weltkulturerbe seit 1996 – zu schlendern.

Das Viertel ist bekannt für farbenfrohe Häuserfassaden, enge Gassen und natürlich zahlreiche Restaurants und Cafés. Aber viele dieser Häuser sind in schlechtem Zustand oder leer und werden zum Verkauf angeboten.







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Amazing travelog Uli! Thank you for sharing such interesting photos and stories about your trip to Porto and surroundings.
Kris
Thank you, Kris!