Aktualisiert: März 2026
Emotionale Dinge ausmisten fällt vielen Menschen besonders schwer. Nicht wegen der Dinge – sondern wegen der Gefühle, die daran hängen. Es mutet vielleicht an, als würdest du einen Teil deines Lebens wegwerfen.
Kuscheltiere aus der Kindheit, ererbtes Geschirr mit Goldrand, die alten selbstgestrickten Pullover von der Oma, Glückwunschkarten, Eintrittstickets, verblasste Briefe, die schon seltsam riechen, alte Magazine aus der Schulzeit mit Stars, die jetzt auch schon im Rentenalter sind, Spielzeug aus diversen Jahrzehnten, Muscheln und Sand vom Strandurlaub, Fotos in Schuhschachteln und Souvenirs von vielen Reisen und Events.
Vielleicht gefällt dir der Gegenstand längst nicht mehr. Vielleicht hast du ihn viele Jahre nicht mehr angeschaut. Vielleicht liegt er im Keller, verpackt in einer Kiste.
Aber dennoch fällt dir das Loslassen schwer.
Hier sind 5 Fragen, die dir helfen, auch die „schwierigen“ Erinnerungsstücke auszumisten:
1. Welche Emotionen lösen Erinnerungsstücke wirklich aus?
Zaubert es ein Lächeln auf dein Gesicht? Oder hängst du nur aus Gewohnheit oder sogar Schuldgefühl daran? Hat es einen positiven oder negativen Einfluss auf deine Stimmung? Symbolisiert es eine Situation oder Person, an die du dich gerne erinnerst oder wo du dich innerlich verkrampfst?
Vor vielen Jahren habe ich aus einem Urlaub eine Dekoration mitgenommen, die mir zu Hause dann gar nicht mehr gefallen hat. Irgendwie passte sie nicht zur Einrichtung und ich war überhaupt nicht glücklich damit. Aber sie war teuer, sogar sehr teuer gewesen. Und so habe ich den Fehlkauf rationalisiert, die Dekoration kam an die Wand und hat dort viele Jahre gehangen.
Aber jedes Mal, wenn ich daran vorbeigegangen bin – und das bin ich sehr oft – habe ich unbewusst an diesen teuren Fehlkauf gedacht und ihn bereut. Kein gutes Gefühl. Als ich mich dann endlich durchgerungen habe, mich davon zu trennen, ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.
Wenn du solche Stücke hast, die bewusst oder unbewusst eine negative oder wehmütige Stimmung bei dir hervorrufen, dann entferne sie aus deinem Haushalt.
Denk auch an Dinge, die dich in der Vergangenheit festhalten – obwohl dein Leben längst weitergegangen ist. Ein Brautkleid und Hochzeitskarten, obwohl die Ehe geschieden ist. Das Geschenk einer Freundin, zu der du den Kontakt abgebrochen hast. Kleidung, die nicht mehr passt und dich an eine vergangene Zeit erinnert.
Solche Gegenstände machen dich – unbewusst – melancholisch. Dein Leben ist jetzt – und du hast eine Zukunft vor dir.
2. Wie oft freust du dich tatsächlich über das Erinnerungsstück?
Frag dich, wie oft du diese Dinge bewusst anschaust oder anfasst und Freude daran hast. Vielleicht merkst du hier schon, dass du diese Dinge gar nicht vermissen würdest.
Wo ist das Zuhause des Erinnerungsstücks? Vermodert es in einer Kiste im Keller? Ist es in einem Schrank im hintersten Eck weggepackt? Oder hast du es gut sichtbar aufgestellt oder aufgehängt?
Freust du dich jedes Mal, wenn du es siehst oder ist es gar nicht sichtbar? Würdest du es vermissen, wenn es weg wäre, oder würdest du dich sogar erleichtert fühlen?
In meiner Blogparade „Wer bist du ohne deine Dinge“ habe ich einen Artikel bekommen, in dem es um Sammlerstücke geht. Es heißt darin sinngemäß:
Mein Mann hat viele Jahre lang Biergläser gesammelt. Die Gläser stehen in Sammlervitrinen im Keller. Für ihn sind viele Erinnerungen damit verbunden. Aber wie er selbst sagt, wenn alle Gläser weg wären, dann wäre er enorm erleichtert. Er hätte dennoch seine Erinnerungen, müsste aber nicht entscheiden, was er mit den Gläsern machen soll, die eigentlich nur Platz wegnehmen.
Ich höre immer wieder, wie froh Menschen wären, wenn sich gewisse Sachen einfach in Luft auflösen würden. Es ist oft nicht das Ausmisten, das Schwierigkeiten bereitet, sondern eine Entscheidung zu treffen.
Wenn du die Frage, ob du erleichtert wärest, wenn gewisse Dinge wie von Zauberhand verschwunden wären, mit (zumindest insgeheim) „Ja“ beantwortest, dann trenne dich von diesen Gegenständen.
3. Emotionale Dinge weitergeben – wer hat mehr Freude daran als du?
Emotionale Dinge ausmisten wird leichter, wenn du sie weitergibst. Überlege, ob es Menschen in deiner Familie oder deinem Freundeskreis gibt, die sich freuen und diese Dinge schätzen würden. Sprich sie auf diese Dinge an.
Eine weitere Möglichkeit ist es, diese Sachen zu spenden bzw. zu einem günstigen Preis zu verkaufen und damit jemand anderem eine Freude zu bereiten.
Ich hatte zwei Bleikristallvasen und diverse selbstgemachte Häkeldeckchen – alles Geschenke meiner Tante. Gut gemeint, aber sie passten ganz einfach nicht zu meinem Wohnstil. Die zwei Vasen fanden ein neues Zuhause bei einer älteren Dame. Sie schickte mir begeistert Fotos von den Vasen, in die sie schöne Blumen gegeben hatte.
Die Beziehung zu einem Menschen oder einer Erinnerung ändert sich nicht, weil du einen Gegenstand loslässt.
Noch heute spüre ich diese Freude und erinnere mich an die Begegnung mit der neuen Besitzerin der Vasen. Und das ist mir weit mehr wert, als wenn die Vasen nach wie vor in meinem Abstellraum verstauben würden. Ich bin überzeugt, dass sich auch meine Tante darüber freuen würde.
4. Kannst du emotionale Dinge sinnvoll weiterverwenden?
Es muss ja nicht gleich so extrem sein, wie bei dem genialen Sketch von Knallerfrau Martina Hill, deren Vater das iPad als Schneidebrett verwendete.
Aber vielleicht kannst du z.B. aus deinen Schuhschachteln voller Fotos ein paar Alben gestalten oder eine Collage. Oder aus Büchern ein neues Möbelstück. Oder aus Porzellangeschirr Blumentöpfe. Wenn du eine kreative Ader hast und gerne bastelst, dann wirst du sicher auf YouTube und Pinterest fündig. Hier gibt es unzählige Upcycling-Ideen.
5. Emotionale Dinge ausmisten – der Umzugstest
Frag dich, ob du den Gegenstand übersiedeln würdest und auch dann, wenn du in eine andere – vielleicht kleinere – Wohnung ziehen würdest? Würdest du ihn einpacken und für die Übersiedlung zahlen?
–>> Hier geht’s zum Ausmisten-Test – aka Beethoven-Skala. Der Maestro ist immerhin während weniger Jahre mehr als 50 Mal umgezogen:
Fazit: Emotionale Dinge ausmisten befreit!

Es gibt klare Signale, die dir zeigen, dass du dich von einem Gegenstand getrost trennen kannst:
- Der Anblick macht dich nicht froh – sondern eher wehmütig, schuldig oder traurig. Dann erfüllt dieser Gegenstand seinen eigentlichen Zweck nicht mehr..
- Er wird lieblos gelagert – seit Jahren in einer Kiste, im Keller, im hintersten Eck eines Schranks. Der gefühlte Wert und der tatsächliche Lageort passen nicht zusammen.
- Du hast davon sehr viele – hunderte Urlaubsfotos, Kisten voller Kuscheltiere, stapelweise Kinderzeichnungen. Hier ist die Aufgabe, aus der Masse die wirklich wichtigen herauszufiltern.
Manchmal hält auch ein Glaubenssatz davon ab, dich von Dingen zu trennen. Kennst du einen davon?
- Das war ein Geschenk – das kann ich nicht weggeben. -> Du kannst die Person trotzdem schätzen. Die Beziehung zu ihr hängt nicht am Gegenstand.
- Von Büchern trennt man sich nicht. -> Du kannst Bücher ausmisten und die Autorin oder den Autor genauso schätzen wie zuvor.
- Basteleien meiner Kinder darf ich nicht entsorgen. → Du liebst deine Kinder genauso – ob du nun alle Zeichnungen aufhebst oder nicht. Kinder sehen das Entsorgen alter Basteleien übrigens oft viel entspannter.
Emotionale Dinge auszumisten bedeutet nicht, Erinnerungen wegzuwerfen. Es bedeutet, bewusst zu entscheiden, was dir wirklich wichtig ist und einen echten Platz in deinem Leben und deinem Haushalt verdient.
Übung
Nimm Papier und Stift und schreibe aus dem Gedächtnis auf, welche emotionalen Dinge dir wirklich wichtig sind. Welche schaffen es auf deine Top 10? Sind es überhaupt 10?
Alles, was dir dabei nicht spontan einfällt, ist oft kein echtes Top-Emotional – und damit ein guter Kandidat zum Loslassen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Warum fällt es so schwer, Erinnerungsstücke auszumisten? Weil es nicht um die Dinge geht – sondern um die Emotionen, Erinnerungen und Menschen, die damit verbunden sind. Das Loslassen fühlt sich an wie das Aufgeben eines Teils der eigenen Geschichte.
Muss ich alle Erinnerungsstücke ausmisten? Nein. Es geht nicht darum, alles wegzuwerfen, sondern nur das zu behalten, was dir wirklich Freude macht. Bewahre die besten Stücke auf – und gib den Rest frei.
Was, wenn ich ein Erinnerungsstück von jemandem habe, der verstorben ist? Das ist besonders schwer. Behalte ein oder zwei bedeutungsvolle Dinge – und erlaube dir, den Rest loszulassen. Die Erinnerung an den Menschen bleibt, unabhängig von den Gegenständen.
Wie gehe ich mit Erinnerungsstücken um, die ich für die Kinder aufhebe? Frage die Kinder zuerst, ob sie die Dinge wirklich wollen. Oft ist die Antwort nein – und du hebst jahrelang Dinge auf, die niemand möchte.
Ist es normal, beim Ausmisten von Erinnerungsstücken emotional zu werden? Völlig normal. Gönn dir eine Pause, wenn es zu viel wird. Ausmisten ist kein Sprint.
Wenn du merkst, dass dir das Loslassen grundsätzlich schwerfällt:
Ich habe dir eine Liste mit 121 konkreten Dingen zusammengestellt, die du sofort ausmisten kannst.
Perfekt, um ins Tun zu kommen – ohne zu viel nachzudenken.
Wenn du generell wissen willst, warum Ausmisten so schwerfällt, lies diesen Artikel:
Warum Ausmisten so schwer fällt: 7 mentale Blockaden – und wie du sie endlich überwindest
Wer schreibt hier?
Ich bin Uli Pauer, Ausmistexpertin und Autorin in Wien. Du willst Dinge loszuwerden? Sachen, die dir schon lange im Weg und ein Dorn im Auge sind. Dann bist du hier genau richtig.
Das bin übrigens ich. Klicke auf das Bild und du kannst mich sofort ein wenig besser kennenlernen.

Ja, jetzt hast du mich erwischt, liebe Uli. Meine Gedanken gehen gerade zu dem alten Ohrensessel, der im Schlafzimmer steht. Der stand schon in meinen Kinderzimmer. Er ist eigentlich ein Schmuckstück und eigentlich super bequem. Ganz eigentlich sitze ich aber eher selten drin und noch eigentlicher steht er im Weg.
Viele Grüße
Heike
Vielen Dank für deinen Kommentar, liebe Heike! Lass mich wissen, was du mit dem Ohrensessel machen wirst 🙂
LG – Uli
Danke für diesen sehr klaren Artikel und vor allem die guten Fragen. Ich werde mich jetzt gleich an eine Kiste mit Erinnerungsstücken an meine Mutter machen, die letztes Jahr verstorben ist. Da sind auch viele Fotos drin, das finde ich besonders schwer. 🙏
Vielen Dank, liebe Sonja. Und melde dich sehr gern bei mir, wenn du Unterstützung brauchst.
LG – Uli